Pflege wird deutlich teurer – Neugeschäft bricht ein

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Ob Pflege- oder Pflegezusatzversicherung: Es wird teurer. So lautet die knappe aber drastische Botschaft des Assekurata-Marktausblicks. Warum der Preisvergleich von Pflegetagegeldversicherungen schwierig bleibt.

Pflege Pflegezusatzversicherung Neugeschäft

Pflege wird (noch) teurer. Warum das so ist und dennoch Potenziale schlummern, hat Assekurata ermittelt. Bild: pixabay / rawpixel

Dass die Beiträge zur Pflegepflichtversicherung steigen, kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereits an. Demnach soll der Beitragssatz ab 01.01.2019 um 0,3 Prozent steigen. Verantwortlich dafür seien die erhöhten Leistungen im Rahmen des zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II), schreibt die Ratingagentur Assekurata. Bereits 2017 hätten Unternehmen ihre Beiträge anpassen müssen.

Auch im Bereich der Pflegezusatzversicherung zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Laut Assekurata-Auswertung stiegen die Beiträge im bestand 2017 um rund 9 Prozent; in der Spitze sogar um 30 Prozent. Eine Entwicklung, die vor allem für eins sorgt: Die Kunden schließen nicht mehr ab.

Neugeschäft bricht ein

Die Preissteigerungen werden von der Rating-Agentur auch als ursächlich für den Wachstumseinbruch im Pflegebereich erachtet. Denn sowohl beim Pflege-Bahr (+56.800) als auch bei ungeförderten Policen (+56.100) ging der Nettozugang 2017 um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreswachstum zurück.
Und die Analysten erwarten weitere Prämiensteigerungen aufgrund der hohen Zinssensitivität. Und für Kunden wird der Preisvergleich von Pflegetagegeldversicherungen auch nicht leichter, da keine Transparenz über den angesetzten Rechnungszins herrscht.
„Eine zinsunabhängige Tarifierung ohne Alterungsrückstellung bis zu einem bestimmten Alter könnte auch in der Pflegetagegeldversicherung künftig weitere Verbreitung im Markt finden“, so Gerhard Reichl, Gerhard Reichl, Fachkoordinator Krankenversicherung bei Assekurata. „Hierdurch profitieren gerade jüngere Menschen von besonders günstigen Einstiegsprämien, was den Unternehmen einen besseren Zugang zu den Altersgruppen ermöglichen würde, die bislang wenig empfänglich für das Thema Pflege sind.“

Was „wenig empfänglich“ in Zahlen bedeutet, lieferte Assekurata ebenfalls nach: Die Altersverteilung im Assekurata-Durchschnitt offenbart dazu, dass 2016 lediglich ein Drittel der Pflegezusatzversicherten jünger als 40 Jahre war. „Bei bislang erst knapp 3,6 Mio. verkauften Policen ist das Absatzpotenzial immer noch enorm und die anhaltende Diskussion um den Pflegenotstand könnte das Bewusstsein zur privaten Vorsorge wieder schärfen“, schlussfolgert Reichl.

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