Geldanlage: Kostet Nachhaltigkeit Rendite?

Top News Versicherungen von Detlef Pohl

Nachhaltiges Portfoliomanagement kostet meist keine Rendite

Investoren erkennen laut dem Deka-Geschäftsführer zunehmend, dass Nachhaltigkeitsansätze das Risikomanagement im Portfolio verbessern können. Unterschiedliche Untersuchungen zeigten übereinstimmend, dass nachhaltiges Portfoliomanagement keinen negativen Einfluss auf die Performance habe. „90 Prozent zeigen ein nicht-negatives Nachhaltigkeits-Performance-Verhältnis“, so Schmidt. Er betonte: „Zu den klassischen Zielen der Geldanlage – Ertrag, Sicherheit und Liquidität – gehört künftig auch Nachhaltigkeit.“

Sich wandelnde politischen Rahmenbedingungen sowie regulatorische Initiativen seien ein wesentlicher Treiber für nachhaltiges Investieren. Im EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums, vorgelegt am 8. März 2018, hat die EU-Kommission zehn konkrete Maßnahmen veröffentlicht, die sie zügig umsetzen will – mit einem relativ straffen Zeitplan über die nächsten eineinhalb Jahre. Am 24. Mai folgten die ersten drei Gesetzgebungsvorschläge sowie ein Konsultationsverfahren.

Drei Gesetzesvorschläge

Der erste Gesetzesvorschlag betrifft die Erarbeitung eines EU-Klassifizierungssystems (Taxonomie). Der zweite Gesetzesvorschlag betrifft diejenigen, die Anlagen für andere verwalten. Betroffen sind Asset Manager, institutionelle Investoren wie Versicherer und Pensionsfonds, Vermittler von Versicherungen, Anlageberater und Finanzportfolioverwalter. Sie sollen Informationen offenlegen, wie sie mit nachhaltigen Risiken im Investment- und Beratungsprozess umgehen, und welche Auswirkungen ESG-Risiken auf die Rendite ihrer Produkte und Services haben.

Im dritten Gesetzesvorschlag wird eine neue Kategorie von Benchmarks vorgeschlagen, die CO2-Wirkungen von Portfoliounternehmen besser erfassen. Die EU-Kommission möchte Investoren, die in Strategien mit geringem CO2-Ausstoß investieren wollen, ein geeignetes Instrument zur Verfügung stellen, damit sie die Performance ihrer Anlagen vergleichen können.

Die Deka als Fondsgesellschaft der Sparkassen achte nicht nur auf finanzielle Stabilität und ausgezeichnete Professionalität bei den Investitionen, sondern auch auf gesellschaftlichen Mehrwert. Man habe 10,9 Milliarden Euro in eigenen nachhaltigen Publikums- und Spezialfonds investiert. Im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie schließe Deka bestimmte klar definierte Investments für all ihre Sondervermögen aus. Das seien derzeit sämtliche Hersteller von Landminen und Streumunition. Ferner investiert sie nicht in Finanzinstrumente auf Basis von Grundnahrungsmitteln.

Ausschlusskriterien für Investments nicht unproblematisch

Je nach Gewichtung der Umsatzschwellen bei Ausschlusskriterien „verändert sich die Zahl der Unternehmen, die vom Investment ausgeschlossen werden“, sagte Schmidt in Bensberg. „Zu umfassende Negativlisten könnten problematisch sein“, erklärte GDV-Experte Ockenga in Frankfurt/Main. Ein Best-in-Class-Ansatz sowie grundsätzlich alle Nachhaltigkeitsstrategien werden laut Schmidt idealerweise unterstützt durch Corporate-Governance-Angebote wie der Stimmrechtsausübung bei Hauptversammlungen von börsennotierten Unternehmen und einem weitergehenden Engagement-Ansatz. Größere Versicherer stünden unter dem Druck von Nichtregierungsorganisationen, sich von Kohleinvestments zu trennen, bestätigte Ockenga.

Branchenweit sind derzeit bei den deutschen Lebensversicherern 905,5 Milliarden Euro Kapitalanlagen in den Büchern (Stand 31. Dezember 2017). Etwa 2,3 Prozent sind in „Sonstige“ wie Infrastruktur, Private Equity oder erneuerbare Energien investiert. Weitere Angaben vermittelt die Zusammenstellung „Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen 2018“.

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