Geldanlage: Kostet Nachhaltigkeit Rendite?

Top News Versicherungen von Detlef Pohl

Auf der Suche nach der Rendite rückt das Thema Nachhaltigkeit stärker in den Fokus. Die EU-Kommission hat einen Aktionsplan vorgelegt, den die deutschen Versicherer kritisieren. Warum dennoch kein Weg an nachhaltiger Kapitalanlage vorbeiführt.

Nachhaltigkeit Kapitalanlage Versicherung

Untersuchungen zeigen, dass nachhaltiges Portfoliomanagement keinen negativen Einfluss auf die Performance hat, betont Michael Schmidt (Deka Investment). Bild: Pohl

Die Versicherer sehen in manch grünem Investment eine Luftnummer. Sie plädieren für eine nachhaltige Kapitalanlage, die mehr als nur ökologisch korrekt ist, also auch ökonomisch. Insofern stellen sie sich in Teilen gegen den EU-Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums, sofern er Privilegien für nachhaltige Kapitalanlagen vorschlägt.

„Politische Ziele sollten nicht mit den Berechnungen des Eigenkapitalbedarfs vermischt werden“, sagte Klaus Wiener kürzlich auf einer Fachtagung in Frankfurt/Main. „Es ist auch noch nicht klar, welche Risiko-Rendite-Profile nachhaltige Investments haben“, kritisierte der Geschäftsführer Regulierung des Branchenverbandes GDV.

Solaranlagen etwa hätten vor zehn Jahren noch wie eine attraktive Kapitalanlage ausgesehen, der globale Branchenindex sei heute aber nur noch etwa ein Zehntel von damals wert. Allerdings muss eine nachhaltige Strategie nicht zu Lasten der Rendite gehen“, relativierte Tim Ockenga, Leiter Kapitalanlage beim GDV. Der Aktionsplan der EU-Kommission sei trotz allem ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltigen Wirtschaftens.

Vor allem die Einführung eines Klassifizierungssystems sowie neuer Standards etwa für Green Bonds können zu mehr Klarheit und Transparenz führen, so der GDV. Die Branche setzte auf eine freiwillige Verbreitung von Nachhaltigkeitskonzepten. Dabei könnten unterschiedliche Ansätze sinnvoll sein. Die detaillierte Positionierung des GDV gibt es hier.

Fahrplan des EU-Aktionsplans

Die Aktivitäten rund um den EU-Aktionsplan beleuchtete kürzlich Michael Schmidt, Geschäftsführer der Deka Investment GmbH, auf der Fachtagung „FinPro“ in Schloss Bensberg. Die Tagung, organisiert von der VERS Leipzig GmbH unter Leitung von Professor Fred Wagner, brachte Asset Manager sowie Kapitalanlageverantwortliche von Versicherern zusammen.

Schmidt definierte in seinem Vortrag Nachhaltigkeit als Dreiklang aus Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung) – kurz: ESG. „Der Markt nachhaltiger Investments wächst dynamisch, vor allem bei institutionellen Anlegern“, sagte der Deka-Mann, der Mitglied der High-Level Expert Group on Sustainable Finance der EU-Kommission ist und auch dem Steuerungskreis Hub for Sustainable Finance angehört.

Deutschland habe allerdings noch Aufholpotenzial, insbesondere gegenüber Frankreich und Skandinavien. In Frankreich etwa verpflichte ein Gesetz Vermögensverwalter, ihre nachhaltigen Anlagen sowie die auf den Klimawandel bezogenen Risiken auszuweisen. Umgesetzt würden nachhaltige Investments vor allem in Publikums- und noch stärker in Spezialfonds.

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