Dammbruch durch Generali beim LV-Verkauf?

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Der Verkauf der LV-Bestände der Generali an den Abwickler Viridium wirft Fragen nach der Zukunft der Lebensversicherung auf. Warum lässt die Bafin solche Verkäufe zu? Wann würde Protektor eintreten? Versicherungsmanager opfern das Geschäftsmodell.

Zu fragwürdigen Geschichte der Generali Deutschland gehört für Maxpool-Chef Oliver Drewes, dass Versicherungsmanager zunehmend verantwortungslos agieren, während Politik und Behörden tatenlos bei Run-offs zuschauen. Quelle: Maxpool

Anfang Juli war die Katze aus dem Sack: Der Abwickler Viridium übernimmt 89,9 Prozent der Anteile der Generali Leben AG und damit rund vier Millionen Bestandsverträge mit dahinterstehenden Kapitalanlagen von über 37 Milliarden Euro. Diese sollen fortgeführt werden, die Kunden würden von Kostenvorteilen profitieren und könnten mit einer höheren Überschussbeteiligung rechnen.

Generali verkauft dies als Erfolg, habe man damit doch die Solvabilität der Muttergesellschaft massiv gestärkt. Verkaufte Generali-Kunden müssten damit rechnen, unter Viridium noch spärlicher mit den bei Lebenspolicen mitentscheidenden Überschüssen bedient zu werden, mutmaßt dagegen der Bund der Versicherten.

Branche und Öffentlichkeit sind empört. „Da geben Versicherungsmanager jegliches Verantwortungsbewusstsein auf“, kritisiert Oliver Drewes, Vorstandschef des Hamburger Maklerpools Maxpool. „Auch der Gesetzgeber schaut (fast) regungslos zu, wie Versicherer die ihnen übertragene Verantwortung für die Altersversorgung von Millionen von Kunden an ‚Abwickler‘ auslagern und damit schlichtweg die gegebenen Versprechen aufgeben“, legt er in einem Online-Artikel nach. Damit vervollständige die Generali den fragwürdigen Gesamteindruck der letzten Jahre.

Warum Protektor nicht zum Zuge kam

Drewes warf in diesem Zusammenhang interessante Fragen auf. Warum ist die Generali kein Fall für Protektor? Nimmt Protektor nur die komplett aussichtslosen Bestände? Gibt Viridium an Protektor ab, wenn der Bestand sich nicht mehr rechnet? procontra hat bei der Protektor Lebensversicherungs-AG nachgehakt. „Ein Fall für uns wäre die Generali Lebensversicherung nur, wenn die BaFin entscheiden würde, dass deren Verträge nicht mehr dauerhaft erfüllbar sind“, erklärt Protektor-Vorstandschef Jörg Westphal. Dies sei aber nicht geschehen. Die BaFin habe keine Aufforderung zur Bestandsübernahme durch Protektor gegeben.

Der Spezialversicherer Viridium könne später auch nichts in Richtung Protektor, dem alle deutschen Lebensversicherer als Mitglieder angehören, abschieben. Protektor übernimmt als gesetzlicher Sicherungsfonds die Verträge eines angeschlagenen Unternehmens, saniert den Bestand, verwaltet die übernommenen Versicherungsbestände und überträgt sie ganz oder teilweise weiter, betonte Westphal. „Das ist die gesetzliche Pflicht, keinesfalls ein Wunschkonzert“.

Westphal erinnerte an die Insolvenz der Mannheimer, deren Bestand und komplette Verwaltungsstrukturen im Sommer 2017 von Protektor an die Entis Lebensversicherung, die ebenfalls zur Viridium-Gruppe gehört, abgegeben wurde. Entis hatte rund 92.000 Verträge übernommen, hinter denen Ende 2017 ein verwaltetes Vermögen von 1,8 Milliarden Euro sowie gut 74.000 Kunden standen.

Kaum Überschussbeteiligung zu erwarten

„Die Abgabe in einen lebenden Markt ist immer das Ziel“, so Westphal. In der Zeit bei Protektor hatten die früheren Mannheimer-Kunden, die zumeist Policen mit 4,0 Prozent Rechnungszins besitzen, jährlich die volle Garantie gutgeschrieben bekommen, aber keinerlei Überschussbeteiligung erhalten. Dies ist bei Entis für 2017 und 2018 auch der Fall.

Die BaFin prüft die Übernahme der Generali durch Viridium jetzt sehr gründlich. Dazu seien mehrere Monate eingeplant, betont die Behörde. Kein Kunde dürfe schlechter gestellt werden, alle vertraglichen Garantien blieben unverändert, heißt es in einer BaFin-Erklärung. Auch zugeteilte Überschüsse blieben erhalten; der Wert der Überschussbeteiligung dürfe nach der Übertragung nicht niedriger sein als vorher.

Ob das Beispiel Generali einem Dammbruch zum Run-off in der Branche gleichkommt, bleibt abzuwarten. Ergo war vor einiger Zeit noch davor zurückgeschreckt, seine sechs Millionen Policen abzustoßen. Delta Lloyd, Basler, Arag und Skandia haben es aber getan. Worüber niemand redet: Nach Informationen des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung sollten Courtageansprüche vom Bestandskäufer übernommen werden, garantiert sei dies jedoch nicht. Bisher gebe es in dieser Hinsicht aber im Markt keinen Grund für Beanstandungen.

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