Altersvorsorge: Warum ein Provisionsverbot nichts taugt

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Ernüchterung nach Honorarpflicht für Altersvorsorge-Rat

Erste Zwischenergebnisse haben das britische Finanzministerium und die Aufsichtsbehörde FCA bereits 2015 im „Financial Advice Market Review“ (FAMR) veröffentlicht. Einerseits führte der FAMR damals Erfolge der Finanzmarktreform bei der Beratungsqualität auf. Andererseits wurden schwerwiegende negative Folgen festgestellt. So war bereits 2015 ersichtlich, dass sich Verbraucher mit mittlerem und geringem Einkommen keine Honorarberatung leisten können. Im März 2016 folgte dann der FAMR-Abschlussreport mit dem ernüchternden Fazit: Dringend notwendig sei eine erschwingliche Beratung für Verbraucher. Außerdem müsse der Zugang zur Beratung verbessert werden.

Gründe des Beratungsdefizits: Einerseits war die absolute Zahl der Anlageberater zurückgegangen. Gleichzeitig sei der Anteil der Berater, die als Voraussetzung für eine Beratung ein Mindestportfolio von 100.000 Pfund verlangen, von 13 Prozent 2013 auf 32 Prozent 2014 hochgeschnellt. 45 Prozent der Berater würden kaum noch Altersvorsorgeberatungen anbieten, wenn das Vermögen der Kunden unter 30.000 Pfund liege. Das bedeutet: Unabhängig von den höheren Upfront-Kosten für die Kunden wird durch das Provisionsverbot eine ganze Bevölkerungsschicht mit geringerem Einkommen beziehungsweise Vermögen von der Beratung ausgeschlossen.

Der FAMR-Fortschrittsbericht vom 11. April 2017 setzte darauf, die entstandene Beratungslücke zu schließen. Ein Ansatz: Steuersubventionen sollen die Probleme, die sich die Briten durch das Provisionsverbot selbst geschaffen hatten, zumindest abmildern. Konkret heißt das: die Honorarberatung muss in Großbritannien durch Rentenvorschüsse und Steuergutschriften subventioniert werden, um für „Otto Normalverbraucher“ erschwinglich zu werden. Diesen und anderen Problemen beugt hierzulande das IDD-Umsetzungsgesetz vor. Durch das Nebeneinander von Provisions- und Honorarberatung sei der Zugang zum Kapitalmarkt für alle Anleger ebenso gewährleistet wie auch die Wirtschaftlichkeit der Beratungsdienstleistung in der Breite.

Britische Insurance Broker dürfen Courtage nehmen

Übrigens: „Bei der reinen Versicherungsberatung (ohne Altersvorsorge-Versicherungen) arbeiten in Großbritannien weiterhin Insurance Broker, für die auch die Entgegennahme von Courtagen erlaubt ist“, relativiert Christian Nuschele, Vertriebsleiter Standard Life Deutschland und Österreich, das Provisionsverbot auf der Insel.

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