Altersvorsorge: Warum ein Provisionsverbot nichts taugt

Berater IDD Top News Meistgeklickt Jahresrückblick von Detlef Pohl

Verbraucherschützer verlangen immer wieder ein Provisionsverbot für alle Anlagen und verweisen auf Großbritannien. Dortige Ergebnisse sind dürftig. Auf der Insel gibt es zudem bis heute kein Provisionsverbot für reine Versicherungen.

Ein Verbot von Provisionen kann Abhilfe bei schlechter Finanzberatung schaffen, die ein verbreitetes Ärgernis ist, behauptet Dorothea Mohn, Leiterin Team Finanzmarkt beim vzbv, und nennt Großbritannien als positives Beispiel. Bild: vzbv

Europäische Anleger sind unzufrieden mit ihren Geld- und Kapitalanlagen. Ihr Anlageverhalten zu ändern, das trauen sich die meisten aber auch nicht, zeigt das aktuelle Income-Barometer von J.P. Morgan Asset Management. Deutsche Sparer sind am unzufriedensten mit den Erträgen ihrer Sparanlagen (67 Prozent) im Vergleich zum europäischen Durchschnitt mit (49 Prozent). Dabei gaben 34 Prozent zu, dass sie das Thema Geldanlage nicht verstehen und deshalb nicht investieren – im europäischen Durchschnitt sind es 23 Prozent. „Es fehlt Ihnen das nötige Wissen, um etwas zu ändern – sie brauchen Beratung“, folgert Dr. Sebastian Grabmaier, Vorstandsvorsitzender des Maklerpools Jung, DMS & Cie.

Ideologie statt Pragmatismus und Achtung des Gesetzes

Doch Beratung muss man sich leisten können. Und mit Honorar statt Provision können die Deutschen nichts anfangen. Finanzberatung gegen Honorar kommt hierzulande nicht in Schwung, sagt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage der Grünen. Die verlangen einen klaren Zeitplan, um von der Provisionsberatung wegzukommen. Dabei gibt es nur 179 Finanzanlage- und 317 Versicherungsberater. Zudem haben sich alle Maklerverbände bei der Gesetzgebung zur Umsetzung der IDD-Richtlinie strikt für ein nebeneinander von Provision und Honorar ausgesprochen, auch bei Altersvorsorge-Policen. Gleichzeitig probieren immer mehr Makler Honorarberatung als zweites Standbein – ohne ideologischen oder gesetzlichen Zwang zur Abkehr von der Provisionsberatung.

Gesetzlichen Zwang gab es 2013 in Großbritannien mit einem Provisionsverbot in der Anlage- und Altersvorsorgeberatung. Klaus Müller und Dorothea Mohn vom Verbraucherzentral-Bundesverband (vzbv) stellen dies als leuchtendes Beispiel dar und verlangen dasselbe für Deutschland. Doch die Ergebnisse auf der Insel waren eher ernüchternd. Vom Provisionsverbot sind auch Beratungen zu Investmentfonds und Lebensversicherungen betroffen. Die Vergütung erhalten Berater seither ausschließlich von ihren Kunden. Diese Maßnahme war Teil einer Finanzmarktreform unter dem Titel Retail Distribution Review (RDR).

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