Altersvorsorge: Kommt eine säulenübergreifende Renteninformation?

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„Wir sollten die Vorsorgeinformation schrittweise aufbauen“, stellte Thiede in Aussicht. Alle Versuche, das „perfekte Endprodukt“ zu schaffen, seien bislang gescheitert. Thiede schlug als ersten Schritt den Aufbau eines „Registers“ für Betriebsrentenanwartschaften durch Arbeitgebermeldung vor. Bis zu fünf Prozent der erworbenen Anwartschaften seien Arbeitnehmern nicht bekannt, „insbesondere wegen Jobwechsel vor vielen Jahren“, so Thiede.

Als ersten Schritt bAV-Ansprüche integrieren

Daher diskutiere man mit der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba), dass künftig Arbeitgeber im Rahmen der regelmäßigen Meldungen an die Sozialversicherung auch Betriebsrentenanwartschaften und den jeweiligen Träger an die DRV melden. Die Rentenversicherungsträger würden diese Informationen im Versichertenkonto speichern und so auch in der jährlichen Renteninformation ausweisen. „Zeitlich könnte dies per Gesetz mit dem Rentenpaket II geregelt werden, das Anfang 2019 in Kraft treten soll" blickte Thiede voraus. Zudem müsste die Meldeordnung geändert werden, für die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) zuständig ist.

Insgesamt sei es zu einer wirklich säulenübergreifenden Vorsorgeinformation noch ein weiter Weg, stellte Thiede klar. So werde das BMAS auf Basis eines „Konzeptionsgutachtens“, das im Herbst 2018 vorliegen soll, konkrete Ansätze entwickeln. „Die GVG wird vermutlich im Laufe des Jahres 2019 erste Ergebnisse vorlegen“, so Thiede weiter.

DIA schlägt konsolidiertes, unabhängiges Onlinekonto vor

Vergangene Woche hatte sich das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) auf dem Bundeskongress des Bundesverbandes Der Ruhestandsplaner Deutschland e.V. (BDRD) kritisch mit dem Thema auseinandergesetzt. „Die heutige Information zur Rente ist zersplittert, asynchron und offline“, bemängelt DIA-Sprecher Klaus Morgenstern. „Die Rententräger informieren zwar, aber unabhängig voneinander, in unterschiedlichen Formaten, zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit unterschiedlichen Zusagen“, so Morgenstern weiter. Bis auf Ausnahmen bei Betriebsrenten erfolgt die Information per Papier auf dem Postweg.

Diese Informationen würden von den Kunden „vergessen, verlegt und missverstanden“, so Morgenstern. „Zwei Drittel der Deutschen kennen ihre künftigen Rentenansprüche nicht, und die gesetzliche Rente wird häufig überschätzt“, so ein Kritikpunkt. Das DIA präferiert ein Online-Rentenkonto mit den Ansprüchen aus allen Vorsorgeschichten – „online, konsolidiert und unabhängig“. Nach einer DIA-Umfrage von 2017 halten 41 Prozent der Deutschen ein solches Konto für notwendig, sagte Morgenstern. Es sollte von einer unabhängigen Stelle geführt werden und hohe Datenschutzanforderungen erfüllen.

„Über die Hälfte der Deutschen würde es nutzen“, so das Fazit. Die unabhängige Stelle könnte durch offene Ausschreibung ausgewählt werden und sollte gemeinnützig arbeiten, schlägt das DIA vor. „Es darf kein Geschäftsmodell eines Unternehmens werden, sondern die Kosten müssten von den Trägern der Altersvorsorge übernommen werden“ – ähnlich wie bei der staatlichen Finanzaufsichtsbehörde (BaFin), sagt Morgenstern.

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