Geldmarktfonds: Keine Chance auf Rendite

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Von dieser Warte aus erscheinen viele Fonds sogar noch relativ rentierlich. Auf der roten Performanceliste des BVI finden sich immerhin noch einige Euro-Geldmarktfonds, die innerhalb der vergangenen zwölf Monate bis Ende April mit einem Minus um die 0,3 Prozent abschneiden konnten, die meisten sogar schlechter. Der Trend nach unten setzte bereits 2014 ein, als die EZB den Einlagenzins ins Negative drückte. Seitdem schmilzt die Substanz. Kumuliert über die vergangenen fünf Jahre mussten die Anleger sämtlicher 19 Euro-Geldmarktfonds auf der BVI-Liste Verluste zwischen minus 0,04 und minus 1,74 Prozent hinnehmen.

„Für Privatanleger nicht zu empfehlen“, urteilt Ali Masarwah von der Ratingagentur Morningstar, aber: „Institutionen nutzen Geldmarktfonds für ihr Cash-Management, und dann reden wir über Halteperioden von Stunden oder Tagen.“ Unternehmen, die Dividenden ausschütten wollen, nutzten Geldmarktfonds zum Zwischenparken, ebenso für Finanztransaktionen jeglicher Art. Das Geld in den Fonds sei schließlich Sondervermögen und somit gegen einen Kollaps der Bank gesichert. Für institutionelle Anleger sind das offenbar gute Gründe, die für Geldmarkfonds sprechen. Nach den Zahlen des BVI hat sich das verwaltete Vermögen im vergangenen Jahr wieder fast verdoppelt, auf rund 19 Milliarden Euro bis Februar 2018.

Am Tropf der EZB

Privatanlegern, die Rendite erzielen wollen, hilft das kaum weiter. Im gegenwärtigen Zinsumfeld hätten „reine Geldmarktfonds keine Chance, positive Renditen zu erzielen“, konstatiert DWS-Manager Kindsgrab. Das Anlagespektrum, in das die Fonds investieren dürfen, lässt schließlich wenig Auswahl, um dem negativen Zinsumfeld zu entkommen. Es sind vor allem verschiedene Anleihen mit kurzen Laufzeiten und Termingelder bei Banken, die allesamt in den Abwärtsstrudel des EZB-Zinses geraten sind. Die Papiere blieben in der Regel bis zu ihrer Fälligkeit im Portfolio liegen, erläutert Kindsgrab. Einen Handel an der Börse wie bei Aktienfonds gebe es bei Geldmarktfonds nicht.

Auch die DekaBank, die schon seit 1994 den DekaLux-Geldmarkt-Fonds verwaltet, versucht, in ihrem Portfolio „möglichst wenig zu ändern, um unnötige Transaktionskosten zu vermeiden. Taktische Positionen werden meist derivativ eingegangen, je nach Zulässigkeit in den einzelnen Fonds.“ Der Fokus liege auf Unternehmensanleihen, „um so auf Portfolioebene über die Rendite-Nulllinie zu kommen“, teilt das Bankhaus mit. Doch geholfen hat es wohl kaum. Und auch wenn die laufenden Verwaltungskosten der beim BVI gelisteten Geldmarktfonds bei relativ geringen 0,11 bis 0,47 Prozent jährlich liegen, so drücken auch diese Lasten die möglichen Gewinne rasch wieder ins Minus.

Die Stellschrauben der Fondsmanager sind von begrenzter Wirkung. Und wenn im Juli eine neue EU-Verordnung in Kraft tritt, werden die Regeln für Geldmarktfonds noch enger. Denn anders als in Deutschland erreichen sie auf europäischer Ebene mit einem Volumen von über einer Billion Euro eine systemrelevante Größe. Durch höhere Anforderungen an Liquidität, Diversifizierung und Transparenz will die EU-Kommission den Anlegerschutz verbessern und einem Chaos durch mögliche Panikverkäufe vorbeugen. Betroffen davon sind vor allem die in Deutschland kaum bekannten Fonds mit konstantem Nettoinventarwert (CNAV). Deren Anteile werden täglich gleich mit einem Euro, Pfund oder Dollar notiert und gelten bei Marktturbulenzen als besonders riskant.

Deutliche Impulse für eine Kehrtwende in Richtung Gewinne werden aber vielmehr von der EZB erwartet. So sieht die DekaBank bereits eine „mittelfristig erwartete Zinswende der EZB“, die für Geldmarktfonds „zu steigenden Renditechancen“ führen werde. DWS-Zinsexperte Kindsgrab rechnet bereits für das kommende Jahr mit zwei Zinsschritten beim Einlagenzins der EZB, mit einer Erhöhung von minus 0,4 auf 0 Prozent. Für die Anleger eine neue Hoffnung auf Rendite.


Der Artikel erschien zuerst in der procontra-Printausgabe

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