Wie Versicherer ihr Schadenmanagement umbauen

Versicherungen von Michael Fiedler

Versicherer stellen sich im Schadenmanagement neu auf. Wer welche Abzweigung auf Weg vom Risikoträger zum Risikomanager nimmt, welche Ursachen der Trend hat und wo Vorbilder zu sehen sind.

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Wohin nach einem Schadenfall? Die Antwort auf diese Frage ist bares Geld wert. pixabay / Meromex

Versicherungen seien auf dem Weg vom reinen Risikoträger zum Risikomanager, sagte Ergo-Chef Markus Rieß vor einem Jahr auf dem Vorlesungstag der Universität Leipzig. Die Versicherer der Zukunft müssten wegkommen vom bloßen Bezahlen der Rechnungen, empfahlen zu Beginn des Jahres Studien von Bain und Versicherungsforen Leipzig. Bei den Versicherern ist diese Botschaft offenbar angekommen. So teilten Gothaer und uniVersa mit, dass sie ihre jeweiligen Schadenbereiche neu aufstellen.
Ursächlich für diese Entwicklung ist allerdings nicht der Altruismus der Versicherer. Oliver Suhre, Geschäftsführer von Monuta Deutschland, führte im Interview mit procontra u.a. die Niedrigzinsphase als „Trendverstärker“ an. Versicherer hätten in der Vergangenheit nicht von den Prämieneinnahmen, sondern ihren Kapitalanlagen gelebt. Diese Zeiten seien nun vorbei: „Heute muss vielmehr auf Schadensteuerung geschaut werden. Das ist im Kfz-, Kranken- und auch im Sachbereich so“, sagte Suhre. Und sicher locken auch neue Umsatzpotenziale im Bereich Schadensteuerung. Welches Potenzial in diesem Bereich schlummert, zeigen beispielsweise Zahlen der Huk-Coburg. Der Versicherer kann allein im Bereich der Kfz-Schadensteuerung auf Umsätze in Höhe von 600 Mio. Euro verweisen.

uniVersa: Fallmanager am Telefon statt Formulare

Auch uniVersa nennt beispielhaft den Kfz-Bereich, um auf die eigenen Neuerungen hinzuweisen. So sollen Fallmanager in Zukunft nicht nur Fragen zum Schadenereignis stellen, sondern auch Hinweise zu möglichen Abschleppkosten und Abrechnungsoptionen geben. Bei einem wirtschaftlichen Totalschaden wird der Fallmanager Informationen zu Standgebühren und Restwertaufkäufen liefern. Margareta Bösl, stellvertretende Schadenabteilungsleiterin bei uniVersa, sagte, dass der Kunde aktiv bei der Abwicklung des gesamten Schadenprozesses begleitet werden soll. „Dabei wird, wo immer es geht, auf Formulare verzichtet und eine unbürokratische Arbeitsweise per Telefon bevorzugt“, teilte der Versicherer mit. Laut uniVersa wird der neue Schadenservice für die Kfz-, Haftpflicht- und Sachversicherung angeboten.

Gothaer bündelt Schadenabteilungen

Auch für die Gothaer ist Schadensteuerung kein Fremdwort – immerhin kam der erste Kfz-Tarif mit Werksattbindung (2005) aus der Produktschmiede des Traditionsversicherers. Nun bündelt die Gothaer Allgemeine AG ab 01. August 2018 alle Schadenabteilungen und -funktionen unter einer Leitung. Chief Claims Officer der neuen Gothaer Schadenorganisation wird Frank Buchholz. Der 51-Jährige ist seit 2004 Geschäftsführer der Gothaer Schaden Service-Center GmbH in Berlin. Durch die Bündelung benötigt allerdings das Schaden-Kompetenzcenter der Gothaer in Köln keine eigene Leitung. Diesen Posten hat bislang Dr. Harald Neugebauer inne. Der 57-Jährige soll dann zum 01. August 2018 die Leitung der Gothaer Allgemeine Akademie (GAA) übernehmen. Diese Weiterbildungseinrichtung befindet sich im Moment in Gründung und soll künftig die fachliche Qualifizierung in der Kompositversicherung sicherstellen.

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