Stornohaftung ist das größte Insolvenzrisiko

Berater Top News Meistgeklickt von Martin Thaler

procontra: Gehen wir einmal davon aus, dass der Vorschlag der BaFin Anklang bei der Politik findet und umgesetzt wird. Welche qualitativen Kriterien wären dann wirklich sinnig für den Erhalt der 1,5 Prozent?

Prof. Matthias Beenken: Viel wichtiger als die Politik ist es, dass der BaFin-Vorschlag von der Branche akzeptiert wird. Leider beobachte ich derzeit einen erheblichen Widerstand. Der aber kann die Politik überhaupt erst fordern, das Problem gesetzlich zu regeln.
Aber zu Ihrer Frage nach den qualitativen Kriterien gibt es Hinweise aus dem Delegierten Rechtsakt zu Interessenkonflikten und Wohlverhaltenspflichten bei Versicherungsanlageprodukten sowie aus vielen Vorträgen, die BaFin-Vertreter gehalten haben. Ihnen schweben beispielsweise Kundenzufriedenheit, Storno- und Beschwerdequoten als qualitative Kriterien vor. Sinnvoll sind diese Kriterien alle, aber nicht ganz einfach konzeptionell umzusetzen. Beispiel Kundenzufriedenheit: Hier gibt es ganze Doktorarbeiten zu dem Thema, was überhaupt Kundenzufriedenheit ist, wie man sie messen kann und vor allem, welchen Erklärungsbeitrag sie für die Qualität der Beratung bietet. Das zeigt, dass es nicht eben einfach ist, hieraus ein transparentes, faires und für die Betroffenen akzeptables Messinstrument zu machen. Aber es geht, und es gibt auch bereits Beispiele dafür in der Branche von Versicherern, die Ziele zur Kundenzufriedenheit in ihre Vertriebssteuerung aufgenommen und zum Gegenstand einer erfolgsabhängigen Vergütung gemacht haben.

procontra: Unter Maklern stößt der BaFin-Vorstoß auf deutliche Kritik. Kann dieser Vorschlag nicht aber auch als „das geringste Übel“ betrachtet werden? Schließlich könnte die Politik, die augenscheinlich nicht sonderlich zufrieden mit dem Voranschreiten der privaten Altersvorsorge ist, weitaus drastischere Schritte ergreifen.

Prof. Matthias Beenken: Ja, das sehe ich ganz genauso. Die IDD würde ohne weiteres strengere Maßnahmen wie ein Provisionsverbot zulassen, was übrigens im ersten Entwurf von 2012 sogar zwingend vorgesehen war und erst im weiteren Richtliniengebungsverfahren weglobbyiert wurde. Ich kann Maklern bzw. einigen ihrer Verbände und Fürsprecher nur empfehlen, smarter zu reagieren.

Seite 1: Vergütung umstellen – Interessenkonflikt vermeiden
Seite 2: Kundenzufriedenheit als Qualitätskriterium

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare