„Riester sollte für alle verpflichtend werden“

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procontra: Aktuell wird als Reformmaßnahme häufig auch eine Flexibilisierung der Bruttobeitragsgarantie vorgeschlagen. Wie schätzen Sie diese Option ein?

Riester: Ich war damals schon dagegen, von der Nominalgarantie abzuweichen. Damals gab es einigen Widerstand, vor allem von Seiten der Banken. Ich wusste aber schon damals um die Angst vieler Menschen vor Inflation, Geldentwertung und dem Wegbrechen ihres Ersparten. Ich wollte dem Sparer garantieren, dass zumindest die von ihm eingezahlten Sparbeiträge und die von der Öffentlichkeit eingebrachten Finanzzuschüsse als Summe bei Beginn der Rentenauszahlung vorhanden sind. Ich finde auch, das ist kein besonders hoch gegriffener Anspruch.

Dagegen gehen jetzt vor allem die Finanzanbieter vor, was natürlich der Niedrigzinsphase geschuldet ist. Es geht aktuell darum, das Risiko auf den Sparer zu übertragen. Wenn aber beim langfristigen Sparen ein Anbieter nicht mal garantieren kann, dass er bei Ablauf zumindest die eingezahlten Beiträge zurückerstatten kann, dann sollte er das Geschäft lieber ganz sein lassen. Bei 5 oder 10 Jahren kann ich einen Garantieverzicht ja vielleicht noch verstehen. Aber bei 30 Jahren Laufzeit darf das nicht sein. Die eingezahlten Beiträge und die erhaltenen Zulagen müssen garantiert bleiben. Angesichts der geplatzten Börsenblase 2003 und der weltweiten Finanzkrise seit 2008 bin ich froh, dass wir das ins Gesetz aufgenommen haben.

procontra: Stichwort Opting-out-Modell: Wäre eine Riester-Verbreitung mit „sanftem Zwang“ die Lösung für die Altersarmut, die vielen Menschen in Deutschland droht?

Riester: Betrachten wir mal was wir wissen: Viele Menschen schieben die ergänzende Altersvorsorge vor sich her, weil sie freiwillig ist und ihnen das Alter noch so weit entfernt vorkommt. Aktueller Konsum erscheint verlockender oder aktuelle Verpflichtungen dringender. Dieses Verhalten sind wesentliche Charakterzüge des Menschen – und sie setzen sich auch beim Opting-out, konkret in Bezug auf Rententhemen, durch.

Zum Beispiel zahlt der Arbeitgeber für Menschen mit 450 Euro-Job 15 Prozent des Entgelts in die Rentenversicherung ein. Wenn dann der Arbeitnehmer die Differenz zwischen dem Arbeitgeberanteil und dem aktuellen Rentenversicherungsbeitrag noch drauflegt (Anmerkung der Redaktion: Aktuell 18,7 Prozent insgesamt bei gewerblichen Arbeitgebern, also 3,7 Prozent für den Arbeitnehmer), dann erhält er für die gesamte Summe den Rentenanspruch und was noch viel wichtiger ist: Er ist rentenversichert. Das wurde als Opting-out-Modell verankert. Und obwohl sie damit materiell bessergestellt sind, haben sich rund 80 Prozent der 450 Euro-Jobber seitdem aktiv dagegen entschieden. Aus dieser Erfahrung heraus würde ich also sagen, dass Opting-out auch bei der Riester-Rente nicht funktionieren würde.

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