Solvency II: Massive Erhöhung der Eigenmittelanforderungen befürchtet

Versicherungen von Florian Burghardt

Wie sich die Solvenzquoten der Lebens- und Sachversicherer entwickelt haben, hat nun der GDV mitgeteilt. Europaweit steht Deutschland gut da. Auf anstehende Solvency II-Regeländerungen blickt die Branche hingegen skeptisch.

Die Angst geht um: Die deutsche Versicherungsbranche fürchtet, dass sich durch Regeländerungen bei Solvency II die Eigenmittelanforderungen massiv erhöhen könnten.

Die Angst geht um: Die deutsche Versicherungsbranche fürchtet, dass sich durch Regeländerungen bei Solvency II die Eigenmittelanforderungen massiv erhöhen könnten. Bild: Alexas_Fotos/Pixabay

In Zeiten von „Crash-Prognosen“ für die Lebensversicherung liegt ein besonderes Augenmerk auf der finanziellen Stabilität der Unternehmen. Große Bedeutung genießen in dieser Hinsicht die Solvenzquoten nach Solvency II – auch wenn deren Vergleichbarkeit seit ihrer ersten Veröffentlichung im vergangenen Jahr für Kontroversen in der Branche gesorgt haben.

Wie der GDV nun mitteilt, hat sich die finanzielle Stabilität der deutschen Lebensversicherer zuletzt konstant verbessert. Für das vierte Quartal 2017 hat der Gesamtverband für 56 seiner Mitgliedsunternehmen mit 90 Prozent Marktanteil eine durchschnittliche SCR-Quote von 383 Prozent errechnet und geht davon aus, dass dieser Wert auch recht genau die Quote zum Ende des Jahres 2017 beschreiben müsste.

Deutschland stark im europäischen Vergleich

Im Vergleich zum Jahresende 2016 steht somit eine Steigerung der durchschnittlichen LV-Solvenzquote um 39 Prozentpunkte. Dabei sind Übergangsmaßnahmen der Unternehmen, durch die sich die Quote erhöht, eingeschlossen. Ohne diese, aber laut GDV-Grafik anscheinend inklusive der Volatilitätsanpassungen, liegt die durchschnittliche Solvenzquote der Lebensversicherer bei 250 Prozent. Die tatsächlichen Netto-Quoten – also ohne Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassungen – aller 84 Lebensversicherer zum 22. Mai 2017 (Datum der ersten Pflichtveröffentlichung) finden Sie hier.

Auch für 86 Schaden-/Unfall-Versicherer mit einem Marktanteil von 78 Prozent nennt der GDV Zahlen. Deren durchschnittliche Solvenzquote lag im vierten Quartal 2017 bei 287 Prozent. Zum Jahresende 2016 waren es 286 Prozent gewesen.

Im europäischen Vergleich stehen die deutschen Versicherer spartenübergreifend sehr gut da. Die europaweite durchschnittliche Bedeckungsquote (wird unter Berücksichtigung der sogenannten Long-Term-Guarantee-Maßnahmen, kurz LTG, berechnet) liegt bei 229 Prozent, in Deutschland sind es 331 Prozent. Ohne die LTG-Maßnahmen sind es 271 Prozent gegenüber europaweit 184 Prozent.

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