Riester-Standard: Sind Versicherer die richtigen Partner?

Top News Versicherungen von Michael Fiedler

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) will eigene Vorschläge für ein Riester-Standard-Produkt vorlegen. Doch was sagen Dorothea Mohn (vzbv), Hermann-Josef Tenhagen (finanztip) und Kornelia Hagen (DIW) dazu? Ist der GDV der geeignete Partner für ein Standard-Produkt?

Partnerwahl GDV Vorsorge Riester

Ist der GDV eine glückliche Partnerwahl für das Standard-Vorsorge-Produkt? pixabay / ErikTanghe

Ein Standard-Produkt soll entwickelt werden, um die private kapitalgedeckte Altersvorsorge zu stärken - so ist es im Koalitionsvertrag vereinbart. Dieses Standard-Produkt soll im "Dialog mit der Versicherungswirtschaft" entwickelt werden und der GDV wagte kürzlich einen entsprechenden Vorstoß.
Doch ist der GDV der geeignete Ansprechpartner? Zweifel daran hat Kornelia Hagen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Gegenüber procontra erinnerte die Riester-Expertin daran, dass Riester-Renten häufig in der Kritik stehen, zu hohe Verwaltungs- und Abschlusskosten zu haben. Forderungen nach Anpassungen habe der GDV bisher abgelehnt. Die Kosten seien nicht übermäßig und eine Kalkulation mit geringeren Kosten sei nicht möglich, argumentierte der Verband. "Ich kann nicht erkennen, was sich jetzt für die Versicherungen anders darstellt, dass es plötzlich möglich macht, ein kostendeckendes und preiswerteres Produkt anzubieten", so Hagen auf procontra-Nachfrage.

Modelle für Standard-Produkte

Bei der Entwicklung kostengünstiger Standard-Produkte müsste der GDV nicht einmal von vorn anfangen. Es gibt bereits einige Modelle:

  • Vorsorgekonto der Rentenversicherung Baden-Württemberg, das mit Garantie und Solidarelementen von einer Institution ohne Gewinninteressen angeboten werden sollte.
  • Hessenmodell, das ebenfalls ein Standardprodukt vorsieht, allerdings ohne Garantien (diese würden die Kosten für Vorsorgeprodukte treiben) und ohne Solidarelement. Wesentliches Element ist in diesem Modell ein Opt-out.
  • vzbv schlägt in Anlehnung an das schwedische Modell und an das Hessenmodell ebenfalls ein Standardprodukt ohne Garantie vor.

Dem GDV seien diese Modelle bekannt, so Hagen. Doch der Verband lehnte sie bisher ab; u.a. mit dem Hinweis, Vorsorge sei ohne Garantien mit dem GDV nicht machbar.

Subventionen für Strukturwandel der Versicherer

Hagen fragt sich auch, was mit der einseitigen Festlegung auf die Versicherungswirtschaft als Anbieter von Standard-Produkten bezweckt wird. Soll so der Strukturwandel in der Branche subventioniert werden?

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