Nachhaltigkeitsfonds: Gutes Investment oder Etikettenschwindel?

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Auch die konkreten Nachhaltigkeitsstrategien unterscheiden sich. Manche Fondsmanager streuen das Anlegergeld nach dem sogenannten Best-in-Class-Prinzip: Dabei investieren sie in Aktien von Unternehmen, die in ihrer jeweiligen Branche „Klassenbeste“ beim Thema Nachhaltigkeit sind. Folgt man dem jüngsten Jahresbericht von Oekom Research, bedeutet das: BMW ist der nachhaltigste deutsche Automobilhersteller. Henkel ist bei den Haushaltsprodukten vorne, die Lufthansa in der Luftfahrt.

Folgen Fondsanbieter bei ihrer Entscheidung dem Best-in-Class-Ansatz, kann das Fondsportfolio also auch Titel von Ölproduzenten oder Atomkraftwerksbetreibern enthalten, solange diese nur sauberer wirtschaften als die Konkurrenz. Berater müssen deshalb genau prüfen, ob der Ansatz eines Fonds mit den Kundenvorstellungen einer nachhaltigen Geldanlage vereinbar ist.

Neben dem Best-in-Class-Prinzip gibt es den Best-of-Classes-Ansatz, der zwar ähnlich klingt, aber gänzlich anders funktioniert. Beim Best-of-Classes-Ansatz kommen nur die saubersten Branchen ins Portfolio – die Unternehmen werden dafür nicht einzeln auf ihre Nachhaltigkeit hin abgeklopft. Viele Investmentgesellschaften formulieren außerdem harte Ausschlusskriterien. So werden beispielsweise häufig von vornherein Aktien von Unternehmen aussortiert, die ihre Produkte durch Kinderarbeit herstellen lassen oder die im Atomkraft- oder Rüstungsgeschäft tätig sind.

Beim Engagement-Ansatz, der vor allem in Großbritannien und den Niederlanden verbreitet ist, stehen die Fondsmanager wiederum mit den Unternehmen, in die sie investieren, in engem Dialog. Sie treffen sich regelmäßig, besprechen den ökologischen, sozialen und ethischen Einsatz und diskutieren Verbesserungsvorschläge. In der Praxis werden die Auswahlverfahren auch gerne kombiniert. Nachhaltigkeit liege immer im Auge des Betrachters, sagt Ali Masarwah vom Analysehaus Morningstar, das gemeinsam mit Sustainalytics das Nachhaltigkeitsprofil von Fonds bewertet.

Ein Blick auf das Morningstar-Sustainability-Rating von 2017 zeigt: Die Sorge so mancher Investoren, dass einige Nachhaltigkeitsinvestments nicht so grün und sozial sind, wie der Fondsname vermuten lässt, ist berechtigt. Vor allem bei ESG-Fonds in der Kategorie Wasser ist Vorsicht angebracht. Öko-Fonds, die in Wasserkraft investieren, erzielten im Morningstar-Rating zwar im Bereich Umwelt sehr gute Werte. Sie überzeugten aber nicht bei sozialen Fragen und bei Fragen der Unternehmensführung.

Damit Anleger nachhaltige Angebote von Etikettenschwindel unterscheiden können, bieten Siegel eine gewisse Orientierungshilfe. Das Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) etwa informiert über zertifizierte Fonds und gibt ein eigenes Nachhaltigkeitssiegel heraus. Um es zu erhalten, müssen Fondsmanager Hersteller von Waffen sowie Unternehmen, die Kernkraftwerke betreiben, aus ihren Depots ausschließen. Ein europaweit einheitliches Gütezeichen rückt derzeit in Reichweite: Die EU-Kommission arbeitet an einem gesetzlichen Rahmen für einen grüneren Finanzmarkt. Vize-Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis sagte vor diesem Hintergrund kürzlich: „Grüne Finanzprodukte brauchen einheitliche Siegel. Die Regeln sollten entlang der gesamten Investment-Kette angelegt werden – von der treuhänderischen Verantwortung des Asset-Managers bis hin zur Methode für Ratings.“  

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