Nachhaltigkeitsfonds: Gutes Investment oder Etikettenschwindel?

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Das Wachstum bei nachhaltigen Geldanlagen macht sich auch auf der passiven Seite des Fondsmarktes bemerkbar. Immer mehr Anbieter legen börsengehandelte Indexfonds (ETFs) auf, die spezielle Nachhaltigkeitsindizes abbilden. Weltweit investierten Anleger im vergangenen Jahr 5,2 Milliarden US-Dollar in entsprechende Produkte – ein neuer Rekord. „2017 kann als Jahr des Durchbruchs für Nachhaltigkeits-ETFs gelten“, sagt Patrick Mattar, Mitglied des Kapitalmarktteams bei BlackRocks Indexfonds-Tochter iShares. Bisher betrug das beste jährliche Neugeschäft in diesem Segment 2,4 Milliarden Dollar.

Gewissen und Rendite

Bei der nachhaltigen Geldanlage geht es nicht nur um moralische und ethische Überzeugungen. Sie kann sich auch finanziell lohnen. Die Ratingagentur Oekom Research, die sich auf die Bewertung nachhaltiger Anlagen spezialisiert hat, bescheinigte solchen Investments zuletzt sogar eine bessere Performance als konventionellen Produkten. Der Wert eines Portfolios mit Aktien nachhaltig wirtschaftender Großunternehmen aus aller Welt kletterte zwischen 2005 und 2016 um 168 Prozent. Der MSCI-Index, der die Entwicklung von über 2.500 konventionellen Aktien abbildet, stieg im selben Zeitraum nur um 163 Prozent. „Investoren bekommen also eine doppelte Dividende“, heißt es dazu von Oekom Research. „Sie erhalten eine marktgerechte Rendite und unterstützen gleichzeitig soziale, umweltbezogene und ethische Ziele.“

Auch eine Untersuchung der Ratingagentur Scope belegt, dass ein gutes Gewissen bei der Geldanlage nicht mit weniger Rendite bezahlt werden muss – sondern sich im Gegenteil lohnt. Demnach verzeichneten in Deutschland gehandelte Aktien von Unternehmen, die sich ESG-Kriterien verschrieben haben, im zweiten Quartal 2017 eine um rund 0,6 Prozentpunkte bessere Wertentwicklung als Aktien konventionell wirtschaftender Firmen. Noch deutlicher wird der Rendite-Unterschied zwischen beiden Investmenttypen im Fünfjahresvergleich: Hier liegen nachhaltige Fonds mit über einem Prozentpunkt vorne.

Auch wenn sich der Fokus auf Nachhaltigkeit in Summe auszahlt, liefert nicht jeder Öko-Fonds eine überdurchschnittliche Performance, zeigt die Auswertung des SBI. Im dritten Quartal 2017 schwankte die Performance nachhaltiger Aktienfonds zwischen plus 27 Prozent und minus 5 Prozent. „Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Produkte stark unterscheiden“, sagt SBI-Chef Paschen von Flotow. Die Palette der Nachhaltigkeitsfonds reicht von Themenfonds über regional investierende Produkte bis hin zu global aufgestellten Fonds.

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