eCall, Fahrzeugdaten und die Schadensteuerung

Versicherungen von Michael Fiedler

eCall ist nun Pflicht - aber nur für Neuwagen. Wer sich was davon verspricht und warum der Streit um die Fahrzeugdaten zwischen Versicherern und Autoherstellern damit nicht beigelegt ist.

Unfall Verkehr Kfz eCall Notruf elektronisch

Bei Neuwagen serienmäßig Pflicht: Der eCall. Das Fahrzeug löst bei Unfall selbstständig einen Notruf aus. Hilfskräfte könnten so schneller vor Ort sein. pixabay / Alexas_Fotos

Nach den Querelen um den Abgasskandal, der sich auch in die Versicherungsbranche erstreckt und zum Rechtsschutz-Thema wurde, begegnen sich Fahrzeugindustrie und Versicherungswirtschaft auch auf dem Feld der Verkehrssicherheit.

Seit 31. März 2018 ist ein elektronisches Notrufsystem ("eCall") Voraussetzung für eine EU-Typgenehmigung. Neuwagen und kleine Nutzfahrzeuge brauchen also so ein serienmäßig eingebautes Notrufsystem.
Der eCall sendet automatisch und unverzüglich ein Notsignal, sobald Sensoren eine Kolission festgestellt und deren Schwere eingeschätzt haben. Die EU-Planer erhoffen sich durch den Einsatz des eCall-Systems wesentlich kürzere Wartezeiten auf das Eintreffen von Rettungskräften. In der Folge davon könnten 2.500 Tote weniger im Straßenverkehr zu beklagen sein, so Schätzungen der EU.

Etwas differenzierter sieht man den eCall beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Bis dieser eCall sich flächendeckend ausgebreitet habe, könnten gut zehn Jahre vergehen, so der Verband. Denn die Pflicht gilt nur für Neuwagen - aktuelle Modellreihen dürfen auch ohne eCall weitergebaut werden.

Die Kritik der Versicherer kommt nicht von ungefähr. Denn der GDV startete vor etwas über zwei Jahren einen eigenen Unfallmeldedienst (UMD). Für den inzwischen nach Angaben des GDV über 100.000 Kunden gewonnen wurden. Allein Huk-Coburg hat knapp 70.000 Unfallmeldestecker verkauft; davon sind 42.000 registriert. Bei Allianz haben rund 14.000 Kunden den UMD abgeschlossen und bei Zurich, die auch das ADAC-Geschäft abwickelt, liegt die UMD-Nutzungsquote unter 1 Prozent zum Kfz-Bestand. Im Neugeschäft sei die Quote ein wenig höher, so Zurich auf procontra-Anfrage. 

Dabei kann der UMD durchaus Erfolge aufweisen: 2017 gingen mehr als 600 Pannen- und Unfallmeldungen über den UMD ein und bei 280 schweren Unfällen wurde schnelle Hilfe organisiert (Zum Vergleich: Unfallstatistik 01.-09.2017).

Verheißung: Schadensteuerung

Zahlen, die den Konflikt zwischen Autoherstellern und Versicherern aber noch nicht deutlich machen. Denn hinter der Datennutzung steht ein Milliardengeschäft: Schadensteuerung lautet die Verheißung für Fahrzeugindustrie und Versicherer gleichermaßen.

Welche Bedeutung Schadensteuerung im Kfz-Bereich ausmacht, zeigen Zahlen, die Huk-Coburg-Vorstand Dr. Jörg Rheinländer kürzlich in einem Interview nannte. So habe der Versicherer - Marktführer im Kfz-Bereich - allein im letzten Jahr 500.000 Schäden in die 1.500 Partnerwerkstätten gesteuert. 600 Millionen Euro Bruttoumsatz habe die Huk in diesem Bereich erzielt. Und der Versicherer will sein Engagement im Kfz-Bereich auch auf Inspektionen, Hauptuntersuchung, Reifen, aber auch Autoankauf ausweiten und so seine Kontaktpunkte zum Kunden ausbauen.

Autohersteller und Versicherer bleiben einander auf nicht absehbare Zeit im Konflikt verbunden. Die Sollbruchstellen zwischen beiden Branchen betreffen nicht nur den Diesel-Skandal und die Frage nach Datennutzung. Zukunftsweisend wird auch sein, wie Haftungsfragen im Zusammenhang mit autonomen Fahren entschieden werden.

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