Prismalife im Clinch mit Verbraucherschützern

Berater von Florian Burghardt

Schwere Verbraucherschützer-Vorwürfe gegen die Afa AG: Die Unwissenheit von Prismalife-Kunden würde schamlos ausgenutzt, um horrende Vergütungen zu kassieren. Der Lebensversicherer antwortete prompt, die Afa hüllt sich in Schweigen.

Der Lebensversicherer Prismalife wehrt sich gegen die Kritik der Verbraucherzentrale Hamburg.

Der Lebensversicherer Prismalife wehrt sich gegen die Kritik der Verbraucherzentrale Hamburg. Bild: skeeze/Pixabay

Das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) hat gestern vor dem Lebensversicherer Prismalife und dessen Vertriebspartner, der Afa AG, gewarnt. „Den Verbraucherschützern liegen zahlreiche Beschwerden von Verbraucherinnen und Verbrauchern aus zwölf Bundesländern vor, die sich über unangemessen hohe Abschlusshonorare der Afa beklagen. Zudem trifft die Afa Vergütungsvereinbarungen mit ihren Kunden, welche auch bei einer Kündigung des Lebensversicherungsvertrags weiter zu bedienen sind“, heißt es von Seiten der Marktwächter.

Während die Abschlusskosten für Lebensversicherungen in den ersten fünf Jahren zwischen 2,5 und 4 Prozent des Beitragsvolumens liegen, würde die Afa ihren Kunden für die Vermittlung von Prismalife-Verträgen bis zu 7 Prozent berechnen, konkretisieren die Verbraucherschützer. „Die Unwissenheit der Kunden über angemessene Abschlusshonorare wird von der Afa schamlos ausgenutzt“, kritisiert Sandra Klug, Teamleiterin des für Versicherungen zuständigen Marktwächter-Teams der VZHH.

Trennung von Vertrag und Vergütung

Die Verbraucherwarnung fußt auf der vertraglichen Trennung der Prismalife-Police von der Vergütungsvereinbarung, die der Kunde mit dem Vertriebspartner Afa schließt. Das bedeutet, dass die Verpflichtung zur Zahlung der Beratungsvergütung auch dann weiter besteht, wenn der Kunde seinen Vertrag innerhalb der ersten fünf Vertragsjahre kündigt.

Die Marktwächter bekunden, dass sie wie bei den Versicherungsberatern eine gesonderte Vergütung für die Beratungsleistung, losgelöst vom Vertragsabschluss, grundsätzlich befürworten. „Im Falle der Afa haben wir jedoch Zweifel, ob man von einer unabhängigen und umfassenden Beratung sprechen kann. Aus unserer Sicht besteht die vergütete Leistung allein im Verkauf von Lebensversicherungsverträgen“, so Klug. „Und das auch noch zu einem völlig überzogenen Preis.“

Der BGH hatte vor 4 Jahren entschieden, dass Versicherungsunternehmen alleine eine solche Vertragstrennung in Versicherungspolice und Vergütungsvereinbarung (Kostenausgleichsvereinbarung) verboten ist (Az.: IV ZR 255/13). Damals ging es konkret gegen die in Liechtenstein ansässige Prismalife, die mit ihren Fondspolicen und Vorsorgeprodukten vor allem den deutschen Markt bespielt. Da die beiden Verträge nun aber jeweils mit einer anderen Firma abgeschlossen werden, ist das BGH-Urteil den Marktwächtern zufolge nicht anwendbar.

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