„Mischfonds verantwortlich für höhere Aktienquote in Deutschland“

Investmentfonds Top News Jahresrückblick Meistgeklickt von Julia Groth

Klaus-Dieter Erdmann vom Research-Haus MMD Analyse & Advisory erklärt, wie Multi-Asset-Fonds den Flash-Crash fast unbeschadet überstehen konnten und was ein guter Fondsmanager können muss.

Klaus-Dieter Erdmann vom Research-Haus MMD Analyse & Advisory

Klaus-Dieter Erdmann vom Research-Haus MMD Analyse & Advisory_Foto: MMD

procontra: Mischfonds haben sich während der Marktkorrektur zu Jahresbeginn insgesamt gut geschlagen. Was war für die Manager dabei entscheidend?

Klaus-Dieter Erdmann: Einzelne Fondsmanager waren günstig positioniert. Peter Dreide zum Beispiel hatte bei seinem 4Q-Income-Fonds schon im Januar die Aktienquote gesenkt. Peter Huber von Star Capital kam wiederum die niedrige Duration seines Anleiheportfolios zugute. Bei ausgewogenen Mischfonds haben vor allem Anbieter gut abgeschnitten, die in den vergangenen Jahren wegen besonders defensiver Ausrichtung nicht zu den Besten gehört hatten, wie Ethenea oder Carmignac.

Umgekehrt mussten einige der Stars des vergangenen Jahres im Februar herbe Rückschläge einstecken. Generell war das gute Abschneiden von Multi-Asset-Fonds der Tatsache zu verdanken, dass die Produkte in der Regel breit diversifiziert sind.

procontra: Die Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Erschwert das die Diversifizierung?

Erdmann: Momentan besteht die Gefahr, dass steigende Zinsen die Aktienmärkte unter Druck setzen, Anleger also mit beiden Anlageklassen Verluste machen. Es ist aber kein festgeschriebenes Gesetz, dass Aktienkurse fallen, wenn die Zinsen steigen. Mischfonds-Manager müssen gerade in dieser Phase beide Asset-Klassen intensiv beobachten, die Aktien- und Anleihequote aktiv steuern und Risiken begrenzen.

procontra: Funktionieren klassische Risikomanagement-Strategien im aktuellen Umfeld noch?

Erdmann: Das wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Wir brauchen jetzt jedenfalls Vermögensverwalter, die ihr Handwerk verstehen und sich in drei Disziplinen auskennen: bei Aktien, bei Renten und bei der Frage, wie das Mischungsverhältnis zwischen den Anlageklassen aussehen sollte. In einer Phase wie der jetzigen ist aktives Fondsmanagement wichtiger denn je. Ich wundere mich über die anhaltend hohe Nachfrage nach passiven Produkten, die überhaupt kein Risikomanagement betreiben und Anleger mit Verlusten allein lassen.

procontra: Mischfonds haben jahrelang die Absatzlisten angeführt, zuletzt haben ihnen Aktienfonds den Rang abgelaufen. Ist der Boom vorbei?

Erdmann: Der Siegeszug der Mischfonds hat seinen Anfang vor zehn Jahren genommen, als viele Vermögensverwalter anlässlich der Abgeltungsteuer solche Produkte auflegten. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Banker, der mir damals sagte: Mischfonds gab es schon immer, und kaum jemand wollte sie haben. Die steigende Nachfrage sei rein steuergetrieben und nach dem 31. Dezember 2008 wieder vorbei.

Dieser Banker lag offensichtlich falsch. Vor allem als Einstiegsinvestment sind Mischfonds nach wie vor interessant. Ohne Mischfonds läge übrigens auch die Aktienquote in Deutschland noch niedriger. Die höhere Nachfrage nach Aktienfonds ist womöglich ein Stückweit darauf zurückzuführen, dass sich Anleger nach ersten Erfahrungen mit Mischfonds nun vermehrt an Aktien wagen.

 

Lesen Sie das komplette Interview mit Klaus-Dieter Erdmann sowie einen umfassenden Beitrag über Multi-Asset-Fonds in der kommenden Printausgabe der proconta (Erscheinung am 20. April).

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare