Kryptowährungen: "Totalverlust möglich"

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procontra: Der erste Gedanke bei Kryptowährungen fällt nicht unbedingt auf das Thema Umwelt. Dabei wird der Stromverbrauch für die weltweite Produktion von Kryptowährungen 2018 mit dem jährlichen Stromverbrauch von Argentinien gleichgesetzt. Inwieweit wird das die Entwicklung von Kryptowährungen beeinflussen?

Pasdag: Ich sehe da keine negativen Effekte. Der Energie- und Ressourcenverbrauch bei der Produktion von Bargeld wird nicht geringer sein, als bei der Entstehung von Kryptowährungen. Ganze Wälder müssen abgeholzt werden, um das erforderliche Papier der Geldscheine herzustellen. Für die Münzherstellung müssen in Minen die Rohstoffe geschürft werden. Von der Weiterberarbeitung in Metall- und chemischer Industrie über die Herstellung der Farben für die Banknoten, dem Druck der Scheine und der Prägung der Münzen sowie der Auslieferung an Banken, Geldautomaten usw. bis hin zur fortlaufenden Bewirtschaftung des Bargeldkreislaufs werden unvorstellbare Mengen an Energie verbraucht. Es wäre spannend, einmal in seriösen Studien einen Vergleich der beiden Währungskonzepte unter ökologischen Gesichtspunkten anzustellen.

Alternativen zu Bitcoins

procontra: Alles spricht derzeit stets von Bitcoins, dabei ist sie nur eine Kryptowährung unter vielen. Welche anderen Währungen halten Sie für interessant und warum?

Pasdag: Grundsätzlich kann man schon einmal unterscheiden, ob Kryptowährungen vordergründig als Zahlungs- oder Wertaufbewahrungsmittel konzipiert wurden wie z.B. Bitcoin oder darüber hinaus einen industriellen Nutzen beinhalten.
So ist Ripple beispielsweise ebenfalls eine Kryprowährung, erlaubt darüber hinaus aber eine Integration seiner zugrunde liegenden Systematik in die Systeme von Banken und Unternehmen. Immer mehr Banken, darunter viele Global Player befassen sich damit, dieses System zu integrieren und Geldtransfers über Kontinente hinweg in Sekunden statt in Tagen abwickeln zu können.
Ein anderes Beispiel ist IOTA, welches im Zeitalter autonomer Maschinen und des Internet-der-Dinge geeignet ist, sich als Zahlungsmittel der Maschinen durchzusetzen. Auch bekannte Traditionsunternehmen der deutschen Industrie befassen sich mit dem Einsatz von IOTA in der Entwicklung intelligenter und autonomer maschinengesteuerter Prozesse. Wir werden es vermutlich schon bald erleben, dass ein autonom fahrendes Auto den Parkroboter dafür bezahlt, ihm den effizientesten Weg zur geeigneten Parklücke zu weisen und nach Beendigung des Parkvorgangs im Vorbeifahren die Gebühren beim Parkautomaten begleicht. Auch werden Science Fiction-Klassiker wie der Kühlschrank, der frische Milch bestellt und sogleich bezahlt, sicher bald Realität werden. So hat Ripple gute Chancen, ein Zahlungsmittel für völlig neu entstehende Geschäftsmodelle zu werden.

Verbot schwer durchsetzbar

procontra: Immer mehr Länder denken öffentlich über ein Verbot der Bitcoins nach. Wie ist diese Entwicklung zu bewerten?

Pasdag: Wir werden insbesondere in dem ein oder anderen totalitären Regime Verbote von Kryptowährungen sehen. Dies wird nicht flächendeckend und auch nicht nachhaltig der Fall sein. Der Grund ist sicherlich die Angst der Regime for einem Kontrollverlust. Immerhin kann die zugrunde liegende Blockchain-Technologie unsere seit Jahrtausenden zentral geordneten und gelenkten Staats- Gemein-, Geld- und Wirtschaftssysteme neu strukturieren, dezentraler und autonomer organisieren und hat sicherlich disruptive Fähigkeiten. Daher werden Staaten gut daran tun, sich mit diesem "Game-Changer" zu befassen und ihn sich zu Nutzen zu machen. Manche werden sich aber einfach bedroht fühlen und die darauf basierenden Auswüchse wie Kryptowährungen verbieten. Die konsequente Umsetzung kann aber eigentlich nur durch eine Abschaltung des Internets in dem jeweiligen Land durchgeführt werden. Viel wahrscheinlicher ist es daher, dass wir staatliche Regulierungsbemühungen sehen werden, die auch durchaus begrüßenswert sind.

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