Kryptowährungen: "Totalverlust möglich"

Investmentfonds Jahresrückblick Meistgeklickt von Martin Morgenstern

procontra: Bitcoin-Futures werden mittlerweile an US-amerikanischen Börsen gehandelt. Auch die deutsche Terminbörse Eurex will nachziehen. Inwieweit eigenen sich Kryptowährungen als Anlageinstrument?

Pasdag: Wenn man die Ergebnisse des vergangenen Jahres betrachtet, hätte sicher jeder gern Bitcoin & Co. als Anlageinstrument genutzt. Da die Eröffnung unterschiedlichster Wallets und sicherer Aufbewahrungsmöglichkeiten mitunter kompliziert und langwierig ist, werden Investments in Kryptowährungen niemals ein Thema für die breite Masse werden. Erst wenn die Finanzindustrie Möglichkeiten entwickelt, entsprechende Investments so einfach zu tätigen wie den Kauf von US Dollar oder Yen, wird es ein Massenphänomen werden können. Der erste Schritt ist mit den Bitcoin-Futures aber auch mit Tracker-Zertifikaten auf Bitcoin und Ethereum gemacht. Derzeit scheint sich die Finanzindustrie in der Breite aber noch entscheiden zu müssen, ob sie Kryptowährungen und insbesondere die zugrunde liegende Blockchain-Technologie eher als Gefahr für ihre Geschäftsmodelle ansieht oder deren Chancen nutzen möchte. Ich bin mir sicher, dass es schon bis Ende 2019 eine Vielfalt an Investitionsmöglichkeiten für Privatinvestoren geben wird, die reguliert, bequem und sicher sein werden.

Kryptowährungen bleiben volatil

procontra: Können private Anleger von den mitunter enormen Gewinnen von Bitcoin und Co. trotzdem profitieren oder sollte die Volatilität vor einem Investment abschrecken?

Pasdag: Grundsätzliche Anlageregeln sollten auch bei Investments in Kryptowährungen ihre Gültigkeit behalten. Je nach Risikotragfähigkeit und -neigung sollte immer nur ein überschaubarer Betrag in hochvolatile Anlagen investiert werden. Da Kryptowährungen in den nächsten Jahren sicher sehr volatil bleiben werden, auch Totalverluste und Betrugsszenarien nicht auszuschließen sind, gilt wie immer: Streuen ist Trumpf! Also am besten einen Korb aus mehreren Währungen zusammenstellen. Zudem sollten Positionen reballanced werden, das heißt in die angedachte Positionsgröße zurückgeführt werden. Hat sich die Krypto-Position beispielsweise verdoppelt, sollten Gewinne realisiert und die Position gekürzt werden, sodass die Gesamt-Vermögensallokation des Investors erhalten bleibt.

procontra:"Kryptowährungen werden über kurz oder lang Gegenstand von Gesetzgebung werden, ob zum Beispiel zum Verbraucherschutz oder zu Steuerfragen", meint Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling. Ist eine staatliche Regulierung auch in Europa wirklich sinnvoll?

Pasdag: Bis zu einem gewissen Grad ist Regulierung immer sinnvoll. Leider wird dabei gelegentlich über's Ziel hinausgeschossen und der gute Grundgedanke aus den Augen verloren. Eine Regulierung gibt breiten Invetorengruppen das Gefühl der Sicherheit und Seriosität und hilft letztlich auch, schwarze Schafe aufzuspüren und Missbrauchsmöglichkeiten einzuschränken. Da der Markt der Kryptowährungen nach meinem Dafürhalten ein enormes Wachstum erleben wird, ist es unumgänglich, dass Staaten sich mit dem Thema befassen und versuchen, ordnend einzugreifen und ihre Bürger aber auch die eigenen staatlichen Interessen zu schützen. Gerade diese Regulierung kann somit letztlich eine Triebfeder des Krypto-Wachstums sein.

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