Fernabsatz: Vermittler zwischen Pest und Cholera

Berater Meistgeklickt Jahresrückblick von Michael Fiedler

procontra: Gibt es weitere Sofortmaßnahmen, die Makler ergreifen sollten?

Beenken: Die Erstinformation muss um einen Hinweis zur generellen Vergütungsart ergänzt werden. Vermittler müssen angeben, auf welche Art und Weise die Vergütung erfolgt. Nicht in Ziffern, sondern nur die Tatsache, ob Honorar oder Provision beziehungsweise Courtage vereinnahmt wird. Zudem gehören Anreizsysteme und Vergütungen auf den Prüfstand, und zwar sowohl die eigenen als auch diejenigen, die Mitarbeitern und Untervermittlern gewährt werden. Sie dürfen laut IDD nicht zu Interessenkonflikten führen. Volumen- oder gewinnabhängige Zusatzvergütungen sollten beispielsweise am besten gar nicht mehr genutzt werden. Auch ausschließliche Abschlussprovision oder -courtage ist nicht mehr sinnvoll, denn das kann klar gegen das Interesse des Kunden an einer dauerhaft sinnvollen Vorsorge gehen.

procontra: Die Begriffsdefinition von „Beratung“ in der IDD ist etwas anders als bisher. Können Sie auf die möglichen Folgen im Fernabsatz eingehen?

Beenken: Laut IDD ist die Beratung eine persönliche Empfehlung. Also gerade nicht eine standardisierte Empfehlung im Internet oder durch einen Telefonverkäufer. Außerdem soll in der Beratung erläutert werden, warum eine angebotene Versicherung am besten geeignet ist, die Wünsche und Bedürfnisse des Kunden zu erfüllen. Nach meinem Verständnis kann man nur von einem Makler verlangen, dass er den bestgeeigneten Rat erteilt, also vorher sehr genau den Kunden befragt und anschließend den Markt sondiert haben muss. Nun gibt es aber für den Fernabsatz ein erleichtertes Verzichtsrecht. Statt in Schrift- kann der Kunde nun auch in Textform verzichten.

procontra: Welche Folgen kann das haben?

Beenken: Für den Versicherer oder Vermittler bedeutet das die Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder tut er im Fernabsatz so, als würde er beraten, ohne den Anforderungen der IDD an eine Beratung gerecht werden zu können, verstößt also wohl gegen die IDD. Oder er bietet dem Kunden standardmäßig einen Verzicht an, zum Beispiel mit einem Ankreuzfeld nach dem Vorbild der Onlineshops, die sich damit das Herunterladen und Akzeptieren der AGB bestätigen lassen. Das verstößt aber nach meiner Meinung klar gegen die Pflicht nach Artikel 20 IDD, wenigstens den Kunden zu befragen und den Rat – auch in Textform – zu begründen. Denn das deutsche Verzichtrecht wirkt auch auf die Frage-, Begründungs- und Dokumentationspflicht.

procontra: Wie lautet Ihr Rat an Vermittler?

Beenken: Wer Online- oder Telefonabsatz betreibt, sollte mindestens die IDD-Standards einhalten. Dazu sind ausreichend Fragen zu Wünschen und Bedürfnissen des Kunden zu stellen und mitsamt den Antworten zu dokumentieren. Außerdem sollte es eine standardisierte Begründung für jeden angebotenen Vertrag geben, warum er geeignet ist, die zuvor erfragten Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen. Das alles zusammen sollte er dem Kunden als Beratungsdokumentation beispielsweise per Mail zur Verfügung stellen. Letztlich werden aber wohl Gerichte entscheiden müssen, ob das auch den Anspruch erfüllt, korrekt nach deutschem VVG beraten zu haben. Gemessen an der europäischen Richtlinie wäre dieses Vorgehen korrekt.

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