"Raus aus den Policen": Ex-Vorstand prognostiziert Crash

Versicherungen Top News von Martin Thaler

Auch an seinen ehemaligen Kollegen lässt Enger kein gutes Haar: Diesen warf er im „Stern“ vor, „neugeschäftsgeil“ zu sein und dieses mit „extremen Belohnungen“ an den Vertrieb befeuert zu haben. Geld, das aus den Beiträgen der Kunden gezahlt worden ist. Intern habe man sich dann damit gebrüstet, „dass man den kompletten Champagner-Vorrat eines Kreuzfahrtschiffes ausgetrunken zu haben“.  

Eine prompte Replik kam gleich vom Branchenverband GDV. Dieser warf Enger vor, bewusst „vollkommen unbegründete Ängste“ schüren zu wollen, bloß um sein Buch an den Mann bringen zu wollen. Von einem Crash der Lebensversicherungen könne keine Rede sein. „Die deutschen Lebensversicherer können nicht nur heute, sondern auch in Zukunft alle Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden erfüllen. Und das selbst in Extremszenarien, die statistisch nur einmal in 200 Jahren auftreten“, ließ Dr. Peter Schwark, Mitglied der GDV-Geschäftsführung, verlauten und verwies auf die sogenannte Solvenzkapitalquote der Branche von 344 Prozent.  

Der Aufforderung Engers „Raus aus den Policen“ entgegnete Schwark: „Damit offenbart Herr Enger, dass er seine kommerziellen Interessen über die Interessen der Kunden stellt. Lebensversicherungen sind nicht nur sicher, sondern bieten gerade im aktuellen Zinsumfeld eine attraktive Verzinsung. Mit einer Kündigung verzichten Kunden zudem nicht nur auf Rendite, sondern auch auf den Risikoschutz einer Lebensversicherung im Todesfall oder auch bei Berufsunfähigkeit des Versicherten.“  

Hinweis: procontra sprach mit Sven Enger im Jahr 2013 über die Zukunft der Lebensversicherungsbranche. Was der damalige CEO von Standard Life Deutschland damals zu sagen hatte, lesen Sie hier.

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