„Der nächste Crash wird noch viel schlimmer“

Investmentfonds Top News Jahresrückblick Meistgeklickt von Julia Groth

procontra: Wegen Ihrer zutreffenden Prognosen tragen Sie den Titel „Crash-Prophet“. Fühlen Sie sich dazu verpflichtet, das Negative zu sehen?

Leuschel: Überhaupt nicht. Ich verwalte schließlich auch mein eigenes Vermögen und habe kein Interesse an Krisen. Vor dem Crash im Jahr 1987 war ich sogar zehn Jahre lang äußerst optimistisch. Ich war zu dieser Zeit Berater eines Ministers des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan und fand Reagans Politik vielversprechend. Er wollte die Einkommensteuer drastisch senken, das hielt ich für eine gute Idee. Damals wurde ich von US-Zeitungen als „der ewige Optimist“ bezeichnet. Es hieß: Den Leuschel braucht man gar nicht erst zu fragen, der sagt sowieso, dass es weiter aufwärts geht.

procontra: Wann haben Sie Ihre Meinung geändert?

Leuschel: Nach zehn Jahren Optimismus wurde mir mulmig. Gerade weil es so gut lief, kam mir die Idee, dass die Lage an den Märkten drehen könnte. Für Anleger ist ein Crash übrigens nicht unbedingt ein Drama. Aktien sollte man schließlich in großem Stil nur nach einer Korrektur kaufen. Bislang habe ich noch nach jedem Crash zum Einstieg geraten. Und noch etwas Positives: 1987 gab es für Anleger keine Möglichkeit, von fallenden Kursen zu profitieren. Heute ist das mit Short-Produkten möglich. Ich habe solche Instrumente selbst im Portfolio.

procontra: Wenn wir schon beim Positiven sind: Läuft es Ihrer Einschätzung nach irgendwo an den Finanzmärkten richtig gut?

Leuschel: Oberflächlich betrachtet läuft es sogar überall gut. Aber eben nur an der Oberfläche. Der Grund dafür, dass der nächste Crash länger auf sich warten lässt als gedacht, ist die Politik der Notenbanken. Ich habe die Unverantwortlichkeit der Notenbank-Chefs unterschätzt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie eine derart unsoziale Politik machen und Sparer reihenweise in die Armut treiben würden.  

Ob Kapitalmarktprognosen heute überhaupt Sinn machen und was Anleger beachten sollten, lesen Sie in der aktuellen Printausgabe der procontra.

Seite 1: Warnsignale für einen nahenden Crash
Seite 2: Was an den Finanzmärkten gut läuft