Allianz will im Sachgeschäft angreifen

Versicherungen von Martin Thaler

Die Münchener wollen insbesondere im KfZ-Geschäft die Marktführerschaft zurückgewinnen. Doch auch abseits hiervon sollen Angebot und Produkte entschlackt werden.

Die Allianz will vor allem im Bereich der KfZ-Versicherung angreifen.

Die Allianz will vor allem im Bereich der KfZ-Versicherung angreifen. Foto: Allianz

Nachdem die Allianz das Geschäft mit Lebensversicherungen umgebaut hat und nun vorwiegend auf Produkte der sogenannten „Neuen Klassik“ setzt, will die Allianz nun auch im Sachgeschäft, vor allem im Bereich der Kfz-Versicherungen, wieder angreifen.  

„Hätten Sie vor fünf Jahren gedacht, dass die Allianz Lebensversicherung (...) so einen Erfolg hat? Dann warten wir mal die nächste Runde in der Sachversicherung ab“, wird Allianz-Chef Oliver Bäte von der Nachrichtenagentur dpa zitiert.  

Im KfZ-Geschäft war der einzige Marktführer Allianz in den vergangenen Jahren immer weiter hinter die HUK-Coburg zurückgefallen. So konnte der Konkurrent aus Coburg seinen Vertragsbestand von 8,6 Millionen Verträgen im Jahr 2010 auf zuletzt 11,2 Millionen Verträge (2016) ausbauen. Die Allianz weist indes nur 8,3 Millionen Verträge im Bestand auf, 2010 waren es 8,4 Millionen gewesen.  

Dass die Allianz in der KfZ-Sparte zum Angriff bläst, ist keine vollkommen neue Entwicklung. Bereits im vergangenen Jahr hatte Joachim Müller, Chef der Allianz-Versicherungs AG gegenüber procontra gesagt: „Wir sind in vielen Branchen als Marktführer unterwegs und wollen das auch bei der Autoversicherung wieder sein.“  

Prämienanpassung in Echtzeit

Bäte legte nun bei einer Veranstaltung der „Süddeutschen Zeitung“ in Bergisch-Gladbach nach. So sollen in der KfZ-Versicherung die Prämien in Echtzeit an den Markt angepasst werden. Bislang erfolgt dies nur in regelmäßigen Intervallen, bei der Konkurrenz von der HUK ist die Echtzeit-Anpassung indes schon die Regel. Allerdings wollen die Münchener vor allem kleineren Konkurrenten Marktanteile abnehmen, eine direkte Kampfansage gegenüber der HUK vermied Bäte.

Das Geschäft mit KfZ-Policen ist allerdings umkämpft, nicht zuletzt weil auch neue Digitalversicherer wie die Ergo-Tochter Nexible oder die Baloise-Tochter Friday um Marktanteile kämpfen und teils ehrgeizige Ziele formulieren. Überzeugen wollen die Anbieter dabei nicht nur mit einfachen Antragsstrecken, sondern auch neuen Tarifen. Friday präsentierte in den vergangenen Monaten beispielsweise eine monatlich kündbare Versicherung, die auf Basis der tatsächlich gefahrenen Jahreslaufleistung des Fahrzeugs kalkuliert wird. Zudem wurden Kooperationen mit der Connected-Car-Plattform Tanktaler sowie der Autovermittlungsplattform Drivy geschlossen.

Bei der Allianz will Bäte den Sachversicherungsbereich auch abseits des KfZ-Geschäfts  „entschlacken“. So soll beispielsweise das Angebot an gewerblichen Haftpflichtversicherungstarifen deutlich reduziert werden. Derzeit bietet die Allianz rund 340 verschiedene Module an, 90 Prozent hiervon würde laut Bäte allerdings nur höchst selten genutzt.

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