Welche Zukunft hat die Unfallversicherung?

Berater Top News von Florian Burghardt

procontra: Sie sprechen die konstant attraktive Combined Ratio an. Kein Grund für die Anbieter, am Produkt groß was zu verändern, oder?

Roider: Wenn man sich beispielsweise Mitwirkungsklauseln, Infektionsklauseln, Gliedertaxen oder Invaliditätsstaffeln anschaut, dann sind das alles Themen, bei denen Leistungsverbesserungen eine ganz wesentliche Rolle gespielt haben. Ich kann nicht erkennen, dass wir jetzt einen wesentlichen Bedarf an Weiterentwicklungen solcher Deckungsinhalte haben.

procontra: Hinsichtlich Komplexität und Vergleichbarkeit erntet die Unfallversicherung seit jeher Kritik. Warum herrscht hier weiterhin Intransparenz? 

Roider: Intransparenz sehe ich an dieser Stelle nicht. Wir finden in der Unfallversicherung unterschiedliche Leistungsarten vor, wie zum Beispiel bei Invalidität oder Tod, Krankenhaustagegeld, Genesungsgeld, Übergangsleistung. Die Vielzahl der Leistungsarten macht das Ganze komplex. Wenn man es aber auf die Invaliditätsleistungen reduziert, was ja die wesentliche Leistungsart in der Unfallversicherung ist, dann glaube ich, dass es am Markt durchaus gute Vergleichbarkeit gibt. So haben wir zum Beispiel die Gliedertaxen, die miteinander vergleichbar sind, und damit verbundene Beiträge und Leistungsspektren.

procontra: Erste Anbieter bringen neuartige Unfall-Tarife auf den Markt, die wie eine Haftpflichtversicherung funktionieren. Sind solche Tarife die richtige Antwort, um das Produkt insgesamt einfacher und transparenter zu machen?

Roider: Für mich ist das eher eine Ergänzung als ein Ersatz. Die Unfallschadensversicherung ist aus meiner Sicht ein Produkt, das sicher seinen Platz im Markt finden kann. Wenn sich jemand mit Schadensersatz-Regulierung gut auskennt, dann versteht er das Produkt relativ schnell. Ich vermute aber, dass das auf die meisten Versicherungsnehmer eher weniger zutrifft. Sehr oft fehlt das Wissen darüber, welche Schadensersatzansprüche bei Personenschäden entstehen können. Damit ergibt sich eine höhere Erklärungsbedürftigkeit. Wenn man diese aber aus dem Weg schafft, dann hat das Produkt durchaus eine Attraktivität. Für mich ist es aber eher eine Ergänzung. Wir beobachten den Markt auch diesbezüglich und setzen uns mit solchen neuen Produktvarianten auseinander. Bislang haben wir uns aber nicht dazu entschieden, ein solches Produkt in unser Angebot aufzunehmen. Ich würde es für die Zukunft nicht ausschließen, aber derzeit steht es nicht auf unserer Agenda.

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