Schadenregulierung: 800 Dokumente zur Betriebsgenehmigung

Berater Top News von Michael Fiedler

Nicht nur in der Kfz-Versicherung sorgt die Schadenregulierungspraxis für Ärger. Auch im gewerblichen Bereich beobachtet Dr. Georg Bräuchle vom Verband Deutscher Versicherungsmakler (VDVM) „gegen den Kunden gerichtetes Regulierungsverhalten“. Doch können Makler die Regulierungspraxis von Versicherern wirklich einschätzen?

Dokumente Schadenregulierung Versicherung

Die Schadenregulierungspraxis von Versicherern kann zu einer regelrechten Dokumentenflut führen. Fotolia / Photobank

Die Schadenregulierungspraxis im Kfz-Bereich habe sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert, so das Fazit einer Studie, für die Verkehrsrechtsanwälte befragt wurden.
Doch das Problem beschränkt sich nicht auf den Kfz-Bereich. So kritisierte Dr. Georg Bräuchle, Präsident des VDVM und Geschäftsführer bei Marsh, dass aus der Regulierung des Schadens häufig eine Abwehr der Kunden-Ansprüche werde.

Schadenabteilung häufig unterbesetzt

Im Leistungsfall würden die Versicherer vor allem einen Schaden für sich selbst erkennen, so Bräuchle auf dem VDVM-Pressegespräch 2017. Die Schadenabteilungen seien häufig unterbesetzt, Termine zur Schadenbegutachtung würden an externe Dienstleister delegiert und schließlich träfen Versicherer Entscheidungen nach Aktenlage.

Die Durchsetzung einer sachgerechten Schadenregulierung in akzeptabler Zeit für die Kunden werde Maklern erschwert. Mit dem „niederschwelligen“ Einschalten von Rechtsanwälten auf Seiten der Versicherer sei ein weiterer problematischer Trend zu beobachten. „Manche Anwaltskanzleien haben sich förmlich darauf spezialisiert systematisch nach Ablehnungsgründen zu suchen. Da wird zuerst nachgeforscht, ob der Kunde vielleicht irgendwelche Risikoinformationen bei Vertragsschluss nicht mitgeteilt hat. Zwar sind nur solche Tatsachen relevant, nach denen der Versicherer bei Vertragsabschluss gefragt hat, aber häufig sind die Risikofragen so allgemein, dass man sich hinterher über ihre Reichweite streiten kann“, so Dr. Bräuchle. Ähnliche Kritik war für den BU-Bereich auch von Claus-Dieter Gorr (PremiumCircle) vorgetragen worden.

800 Dokumente zur Betriebsgenehmigung

Im gewerblichen Bereich sieht es nicht besser aus. Bräuchle erwähnt einen „neuen Trend“ bei der „Abwehr von Kundenansprüchen“: Die sogenannten Betreiberpflichten. Dabei geht es maßgeblich um die Frage, ob alle behördlichen oder sonstigen Vorschriften für den Betrieb des Versicherungsnehmers eingehalten worden sind. Bräuchle berichtet von einem Fall, bei dem der Versicherer zunächst immer neue Unterlagen anforderte und schließlich „sämtliche Unterlagen zur Betriebsgenehmigung“ verlangte. Das ging satte 30 Jahre zurück und das Textilunternehmen mit knapp 200 Mitarbeitern, stellte letztlich 800 Dokumente zur Verfügung.

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