Digitalisierung: Verhältnis zum Tod wird sich komplett ändern

Versicherungen Top News von Michael Fiedler

procontra: Andere Versicherer sehen sich auf dem Weg vom Risikoträger zum Risikomanager. Gilt das gewissermaßen auch für Sterbegeldversicherer?

Suhre: Das ist ein ganz wichtiges Thema für die komplette Versicherungswirtschaft. Versicherer lebten in der Vergangenheit nicht von Prämien, sondern von ihren Kapitalanlagen. Diese Zeiten sind vorbei. Heute muss vielmehr auf Schadensteuerung geschaut werden. Das ist im Kfz-, Kranken- und auch im Sachbereich so. Auch Sterbegeldversicherer werden sich dem nicht verschließen können. Fürr Kunden bietet das Vorteile. Denn der Bestattungsmarkt in Deutschland ist dezentral und intransparent.

Auf dem Weg zum Risikomanager

procontra: Bietet das Themenfeld „digitaler Nachlass“ - also jene Daten, die der Verstorbene in Clouds oder Sozialen Netzwerken hinterlässt, auch Möglichkeiten für Sterbegeldversicherer?

Suhre: Tatsächlich prüfen wir in diesem Bereich Möglichkeiten. Aber juristisch ist es überhaupt nicht einfach. Denken Sie nur an den Fall, als kürzlich Eltern versuchten, die Chatverläufe ihrer Tochter nach deren Suizid von Facebook zu bekommen. Wie wir persönlich und als Gesellschaft mit Tod umgehen, wird sich durch soziale Netzwerke komplett ändern.

procontra: Wie meinen Sie das?

Suhre: Der Tod wird offensichtlicher. Auch den "digital natives" wird es beispielsweise passieren, dass ihre Facebook-Freunde sterben. Manch einer erfährt erst dadurch vom Ableben eines Bekannten. Und auch der Kaufprozess von Bestattungen wird sich ändern. Deshalb soll unser Angebot auch komplett digital funktionieren. Wichtig ist, dass man sich einmal eine Stunde darüber Gedanken macht, wie die Bestattung gestaltet werden soll.

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