Digitalisierung: Verhältnis zum Tod wird sich komplett ändern

Versicherungen Top News von Michael Fiedler

procontra: Um das Wort „Sterbegeldversicherung“ zu vermeiden? Bei Verbraucherschützern gilt das Produkt als überflüssig.

Suhre: Wichtig ist, dass man sich als mündiger Bürger der Tatsache stellt, dass unsere Zeit hier endlich ist. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, wie schwierig es ist, wenn Menschen, die Jahre zusammengelebt haben, plötzlich mit dem Tod eines Partners konfrontiert werden. Obwohl eigentlich gerade getrauert wird, müssen gleichzeitig viele Entscheidungen getroffen werden. Das Sterbegeld soll also nicht als Thema vermieden werden. Familien müssen eine Antwort darauf finden, wie sie damit umgehen. Dabei kann das Versicherungsprodukt hinten anstehen.

Klären, was zu klären ist

procontra: Was gehört noch dazu?

Suhre: Sich mit Partner, Kindern und Angehörigen hinzusetzen und klären, was im Ernstfall passieren soll. Was, wann und wie. Das kann ganz banal sein: Heute Hamburg, Düsseldorf, Berlin... wo will man eigentlich beerdigt werden? Und wie überhaupt? Treffe ich diese Entscheidungen nicht, lege ich die Verantwortung dafür jemanden in die Hände, der dann eigentlich Trauerarbeit leistet. Auch zum Beispiel, wer sich im Ernstfall um die Kinder kümmert, wenn beiden Elternteilen etwas zustößt? Fragen zum Thema Sorgerecht lassen sich im Vorfeld klären. Oder denken Sie an die klassische Versorgerehe. Bis die Erbschaft geklärt ist, kommt man nicht an das Konto des Verstorbenen heran. Und die Klärung der Erbschaft kann auch schon mal sechs bis zehn Wochen dauern.

procontra: Und wie läuft das bei der Monuta?

Suhre: Bei uns bekommt der Begünstigte das Geld in der Regel innerhalb von 48 Stunden auf sein Konto, nachdem aller erforderlichen Unterlagen bei uns sind. Grundsätzlich greift eine Sterbegeldversicherung, wenn jemand bestattet werden muss. Dafür müssten sonst die Angehörigen aufkommen. Auch die Pflege der Grabstätte über den eigenen Tod hinaus, kann vereinbart werden. Und ein weiterer Vorteil: Das Sterbegeld ist insolvenzsicher. Wird es zweckgebunden eingesetzt, handelt es sich um Schonvermögen. Für den Begünstigten ist es sofort verfügbar. Deshalb kann ich Verbraucherschützer auch nicht verstehen. Wir zahlen garantiert aus, das Risiko, das wir versichern, tritt zu 100 Prozent ein.

Bestattungskultur in Deutschland hat sich stark geändert

procontra: Wie teuer ist denn eine Bestattung?

Suhre: Es kommt natürlich darauf an, was ich haben will. Welcher Sarg? Soll es eine Abschiedsfeier geben? Grabsteine sind auch teuer. In einer deutschen Großstadt kommen so schnell 7.500 Euro und mehr zusammen.

procontra: Hat sich denn die Bestattungskultur in den letzten Jahren geändert?

Suhre: Sehr deutlich sogar. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es fast nur Erdbestattungen. Seit den 70iger Jahren verschob sich das. Um das Jahr 2000 war das Verhältnis zwischen Erd- und Feuerbestattung etwa 50/50. Inzwischen liegt die Feuerbestattung bei 60 Prozent. Der ganze Markt verändert sich deutlich. Das bietet uns auch weitere Potenziale. Die Monuta ist ja seit fast hundert Jahren Bestattungshaus der niederländischen Königsfamilie. In Deutschland sind wir über das Sterbegeldprodukt in den Markt gekommen und überlegen nun, unser Geschäftsfeld in Deutschland auszuweiten.

procontra: Was haben Sie da genau vor?

Suhre: Im Gegensatz zu Deutschland sind Krematorien in den Niederlanden helle, angenehme Orte mit Abschiedsräumen für die Familie. In Deutschland ist es hingegen oft ein anonymer Prozess. Wir überlegen, stärker in das Feld Bestattungen hineinzugehen. Aber auch das individuelle Grabgestaltungsangebot soll ausgebaut werden.

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