Weiterbildung: Was wird bei Elternzeit?

Berater von Michael Fiedler

Die Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV) sollte eigentlich die Details zur Umsetzung der IDD regeln. Detailverliebt ist die VersVermV auch – nur an den falschen Stellen. So gibt es zwar sehr umfassende Vorschriften über den Nachweis der Erfüllung von Weiterbildungspflichten – bei Fragen zu Eltern- oder Pflegezeit, aber auch Krankheit, lässt der Entwurf Detailtreue vermissen.

Elternzeit Weiterbildung Versicherungswirtschaft

Bei Eltern- oder Pflegezeit -selbst bei längeren Erkrankungen - ist keine Ausnahme von der Weiterbildungspflicht vorgesehen. Und nun, Mutti? pixabay Div_lv

Der Referentenentwurf zur VersVernV wurde bereits vom Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) kritisiert. Auch andere Verbände und Institutionen meldeten sich in Stellungnahmen zu Wort, u.a. DIHK, AfW, BdV und GDV.

Ein wesentlicher Streitpunkt ist die im Entwurf vorgesehene Kontrollpflicht bei Weiterbildungsveranstaltungen. So heißt es im Entwurf: „Die Weiterbildung kann in Präsenzform, im Selbststudium, durch betriebsinterne Maßnahmen des Gewerbetreibenden oder in einer anderen geeigneten Form erfolgen und erfordert jeweils eine nachweisbare Lernerfolgskontrolle.“

Die Forderung nach ständiger Lernerfolgskontrolle weckt nicht nur bei BVK Widerspruch. So begrüßt der GDV zwar, dass verschiedene Weiterbildungsformen anerkannt werden, sieht aber auch Schwierigkeiten bei Weiterbildungsformen wie Vorträge oder die Teilnahme an Konferenzen. Eine systematische Lernerfolgskontrolle sei bei diesen Formaten nicht zu gewährleisten.

Im Vergleich: Fortbildung von Fachanwälten

Der Verband verweist beispielhaft auf die Praxis in der Aus- und Fortbildung von Fachanwälten. Diese fände in erster Linie durch Teilnahme an fachspezifischen Veranstaltungen statt. Bei Fortbildungsveranstaltungen, die nicht in Präsenzform durchgeführt werden, müssen die Möglichkeiten der Interaktion des Referenten mit den Teilnehmern sowie der Teilnehmer untereinander während der Dauer der Fortbildungsveranstaltung sichergestellt sein und der Nachweis der durchgängigen Teilnahme erbracht werden. Nur im Falle des Selbststudiums ist eine Lernerfolgskontrolle gefordert. Der Verband spricht sich für eine ähnliche Regelung bei Versicherungsvermittlern aus.

Weiterbildung: Welche Anforderungen muss sie erfüllen?

Mit Blick auf das wachsende Online-Weiterbildungsangebot und die „dynamischen Entwicklungen der Lernformen“ schlägt der GDV vor, von starren, detaillierten Vorgaben abzusehen und stattdessen allgemeine Anforderungen zu formulieren. So könnte der Satz aus Anlage 3 (siehe Bild) des Entwurfs als eine solche allgemeine Formulierung dienen und sollte doch so in das Gesetz aufgenommen werden.

Was, wenn nicht gearbeitet werden kann?

Der Entwurf sieht auch eine Ausnahme von der Weiterbildungspflicht vor: So muss sich nicht weiterbilden, wer nach Ablauf des 30. September eines Kalenderjahres eine Tätigkeit aufnimmt, die zur Teilnahme an Weiterbildungen verpflichtet. Aber hier bleibt der Entwurf stehen – weitere Ausnahmen gibt es nicht. Damit lässt das Ministerium offen, wie damit umzugehen ist, wenn Angestellte aufgrund gesetzlicher Regelungen (z.B. Eltern- und Pflegezeit) oder aber wegen vertraglich vereinbarter Leistungen (z.B. unbezahlter Urlaub) oder auch wegen längerer Erkrankungen ihren Weiterbildungspflichten nicht nachkommen können.

Der Verordnungsentwurf muss noch innerhalb der Bundesregierung abgestimmt und dann dem Bundestag zugeleitet werden. Auch der Bundesrat muss der Verordnung zustimmen.