„Ich hätte die Riester-Rente gern einfacher gemacht“

Top News Versicherungen Berater von Matthias Hundt

procontra: Das allein ist doch aber nicht für die Stagnation seit 2010 verantwortlich. Dem Produkt hängen Eigenschaften wie „unrentabel“ und „teuer“ an, was stärker wirkt als die Anrechnung auf eine Grundsicherung.

Riester: Die Frage der Kosten wird falsch betrachtet. Die bloße Ankopplung einer Förderung an ein Altersvorsorgeprodukt verteuert das Produkt für den Verbraucher überhaupt nicht. Das belegen zahlreiche Untersuchungen. Wenn man also von kostenintensiv spricht, dann betrifft das Finanz- und Vorsorgeprodukte im allgemeinen und nicht Riester-Renten im exklusiven. Der sinnbildliche Genickbruch und der Beginn der Stagnation liegt dann in dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 2008 begründet, wo vor allen Finanzprodukten und -dienstleistern gewarnt wurde und es zum Teil gar keine rationale Begründung brauchte, um ein Produkt zu verteufeln. Die Skepsis der Menschen war damals enorm, ihr Vertrauen nachhaltig gestört.

„Ich finde 16,5 Millionen Verträge außerordentlich positiv“

procontra: Würden Sie denn sagen, dass ohne diese medialen und weltwirtschaftlichen Störfeuer, das Produkt heute ein totaler Erfolg wäre?

Riester: Ich würde es anders beschreiben. Zunächst einmal hätte ich die Riester-Rente gern einfacher gestaltet. Ich wollte sie jedem Erwerbstätigen ermöglichen und nicht an die Rentenversicherungspflicht binden. Diese Anbindung setzte jedoch der damalige Finanzminister Hans Eichel durch. Die Irritationen im Zusammenhang mit der Zulagenstelle und den Berechtigten hätte es dann nicht gegeben. Auch machte ich mich für ein Obligatorium stark, um dem eigentlichen Problem der Altersarmut zu begegnen und nicht permanent gegen Konsumwünsche und andere finanzielle Verpflichtungen ankämpfen zu müssen. Und unter Berücksichtigung der nun freiwilligen Vorsorge finde ich 16,5 Millionen Verträge als außerordentlich positiv.

procontra: (Unnötig) hohe Komplexität eines Produktes ist immer auch Nährboden für Halbwahrheiten. Das belegt die Riester-Rente eindrucksvoll. Warum war es nicht möglich, Vorsorgeanreize und –förderungen zu schaffen, die Vertriebe und Verbraucher auf Anhieb verstehen?

Riester: Das hat mehrere Gründe. Die Komplexität des Vorsorgesystems Rente ist vergleichbar mit der des Steuersystems. Bei den allerwenigsten Politikern ist die Kenntnis darüber im notwendigen Umfang vorhanden. Das ist allerdings die Voraussetzung dafür, eine Neuerung zu installieren, die einfach, klar und überschaubar ist.

Lesen Sie das komplette Interview, in dem Walter Riester konkrete Verbesserungsvorschläge der Riester-Rente an die neue Regierung formuliert, in der kommenden Printausgabe der procontra (Erscheinung: 8.12.17).

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