Generali-Konzern schwächelt im EKG-Check

Versicherungen Top News LV-Check von Florian Burghardt

Wie vital sind die deutschen Lebensversicherer? Das fragte Assekurata und hat 75 Anbieter auf ihre Erträge und Garantiepflichten untersucht. Die Diagnose zeigt deutliche Unterschiede, beispielsweise zwischen den Run-off-Gesellschaften Ergo und Generali.

Wie stark oder schwach der "Herzschlag" der deutschen Lebensversicherer ist, hat erneut die Ratingagentur Assekurata untersucht.

Wie stark oder schwach der "Herzschlag" der deutschen Lebensversicherer ist, hat erneut die Ratingagentur Assekurata untersucht. Bild: PublicDomainPictures/Pixabay

Im Ödland von Niedrigzins und hohen Garantieverpflichtungen haben es die Lebensversicherer nicht leicht. Doch gerade jetzt ist es wichtig, immer wieder genau zu überprüfen, wie es um die finanzielle Sicherheit der Anbieter bestellt ist. Das hat nun erneut die Ratingagentur Assekurata getan und zum zweiten Mal nach 2016 ihren „Ertragskraft-Garantie-Check“ (EKG) durchgeführt.

Dafür wurden nicht nur die Geschäftsberichte und die Veröffentlichungen zur Mindestzuführungsverordnung (MindZV) von 75 Lebensversicherern ausgewertet, sondern auch deren Solvenzberichte gemäß Solvency II, die seit dem 22. Mai dieses Jahres pflichtgemäß zu veröffentlichen sind.

Zur Verdeutlichung seiner Studienergebnisse bildet Assekurata einige Kennzahlen ab. Beispielsweise die Break-Even-Nettoverzinsung, welche die Mindestanforderungen an den Kapitalanlageertrag beziffert. Mit 3,15 Prozent lag sie in 2016 leicht unter dem Wert von 2015. Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse bei Assekurata und Autor der Untersuchung, erläutert: „Dies bedeutet, dass eine Nettoverzinsung unter 3,15 Prozent rechnerisch zu einem negativen Branchen-Rohüberschuss geführt hätte.“

ZZR belastet Versicherer schwer

Laut den Studienergebnissen konnte der Markt im vergangenen Jahr sogar eine Nettoverzinsung von 4,34 Prozent erwirtschaften, was eine Nettoverzinsungsmarge von 1,19 Prozent bedeutet. Bei Assekurata bremst man jedoch eine deshalb möglicherweise aufkommende Euphorie. So sei diese vermeintlich komfortable Marge darauf zurückzuführen, dass die meisten Lebensversicherer zur Finanzierung der Zinszusatzreserve (ZZR) hochverzinste Altpapiere veräußert und dadurch bilanzielle Bewertungsreserven gehoben haben. „Dieses Vorgehen beeinträchtigt den Bestandszins der Kapitalanlagen und die Güte der Bilanzstruktur“, kommentiert Heermann.

Diese Praxis wird in der Branche scharf kritisiert. Als „ökonomischen Unsinn“ hatte sie erst kürzlich Dr. Armin Zitzmann, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger Versicherungsgruppe, im procontra-Interview bezeichnet. Die ZZR belastet die Lebensversicherer schwer. Allein Ende 2016 betrug sie rund 45 Milliarden Euro. Die Ratingagentur Fitch schätzt, dass die bis 2022 auf 150 Milliarden Euro steigen könnte.

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