Finanzstärke: Bei diesen Lebensversicherer reicht es nicht

LV-Check Versicherungen Top News von Martin Thaler

Die finanzielle Lage einiger Lebensversicherer wird laut einer neuen Studie immer bedrohlicher. Immer häufiger reichen die Erträge nicht mehr, um die Verpflichtungen zu decken.

Lebensversicherung Finanzstärke

Die finanzielle Situation der deutschen Lebensversicherer fällt höchst unterschiedlich aus. Fotolia / pattilabelle

Die Lage der deutschen Lebensversicherer wird laut einer neuen Studie immer düsterer: So ermittelte der Lebensversicherungsaufkäufer Policen Direkt, dass von den insgesamt 84 tätigen Lebensversicherern insgesamt 30 nicht genug erwirtschafteten, um Garantiezinsen und vorgeschriebene Reserve zu decken. Eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr: Damals wiesen „nur“ 20 Versicherer eine unzureichende Finanzkraft aus.

Um Reserven und Garantiezinsen bezahlen zu können, müssen die Versicherer ihre Erträge aus anderen Quellen abschöpfen, beispielsweise aus den Risikogewinnen. „Unsere Analyse zeigt, dass die Belastung der Lebensversicherer stark zunimmt“, erklärt Henning Kühl, Chefaktuar von Policen Direkt. „Mit Blick auf die Run-Off-Diskussion ist dieses Ergebnis alarmierend für einige Lebensversicherer.“  

Insgesamt gehe es den deutschen Lebensversicherern gut, hatte Dr. Frank Grund, Exekutivdirektor der deutschen Finanzaufsicht BaFin, auf der diesjährigen DKM festgestellt und sich dabei auf die Solvenzquoten der Versicherer bezogen. Allerdings, so schränkte Grund ein, sei die Lage beim Blick auf einzelne Unternehmen nicht ganz so rosig. Die Policen-Direkt-Studie bestätigte nun abermals diese Aussage.  

So steht beispielsweise Branchenführer Allianz gut da: So betragen hier die Erträge 128 Prozent der Verpflichtungen. Die Finanzstärke (Verhältnis Erträge zu Verpflichtungen) der deutschen Nummer 2, der AachenMünchener, fällt mit 104,69 Prozent ebenfalls positiv aus und liegt ungefähr auf einem Level mit der R+V.  

Die Versicherer mit den besten Werten

Bei der Ergo hingegen fällt das Bild gemischt aus: Wären die Ergo Direkt auf einen Finanzstärkewert von 119,12 Prozent kommt und auch die Ergo Lebensversicherung mit 110,23 Prozent gut dasteht, rangieren die Bestände von Victoria (92,16 Prozent) und Ergo Vorsorge (68,84 Prozent) deutlich im Minus.  

Die höchsten Werte weisen übrigens die Skandia Lebensversicherung (269,91 Prozent), die Neue Bayerische Beamten Lebensversicherung (209,53) und die Heidelberger Lebensversicherung (188,27) auf. Der niedrigste Wert ist indes beim Vereinigten Postversicherung Lebensversicherung VVaG (4,15 Prozent) festzustellen. Dieser betreibt nach Aussage der VPV allerdings kein eigenes aktives Lebensversicherungsgeschäft, sondern fungiere nur als Muttergesellschaft für den VPV-Konzern (für das aktive Geschäft ist die VPV Lebensversicherungs-AG zuständig).  Niedrige Werte weisen auch Credit Life (56,54) und die Landeslebenshilfe (65,91) auf (eine Übersicht finden Sie hier).

Die Branche kämpft jedoch allgemein mit den niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt sowie den in der Vergangenheit gewährten hohen Garantien. So wuchs die Zinszusatzreserve, mit denen die Garantien der Vergangenheit abgesichert wird, auf 45 Milliarden Euro zum Ende vergangenen Jahres, allein in diesem Jahr soll sie laut Schätzungen der Ratingagentur Assekurata um weitere 20 Milliarden steigen.  

Einen ausführlichen Überblick über die finanzielle Lage der deutschen Lebensversicherer bietet der procontra-LV-Check.

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