Doppelt versichert - aber Kunde geht leer aus

Berater Recht & Haftung von Martin Thaler

Mehrfachversicherungen gilt es zu vermeiden - oftmals geschehen sie aber aus Unachtsamkeit. Wer Schäden allerdings bewusst doppelt abrechnen möchte, muss mit unschönen Konsequenzen rechnen, wie ein aktuelles Urteil zeigt.

Ein Mann hatte in betrügerischer Absicht zwei Hausratversicherungen abgeschlossen, ging am Ende allerdings leer aus.

Ein Mann hatte in betrügerischer Absicht zwei Hausratversicherungen abgeschlossen, ging am Ende allerdings leer aus. Foto: PaliGraficas - Pixabay.de

Eine doppelte Absicherung eines möglichen Risikos ist schnell passiert: Wenn zwei Menschen heiraten und ihre Haushalte zusammenführen, beide Partner dabei im Besitz einer Hausratversicherung sind, ist ein möglicher Schaden doppelt versichert. Man spricht in diesem Fall von einer Mehrfachversicherung. Oftmals geschieht sowas aus Unachtsamkeit, doch auch betrügerische Hintergedanken können ein Motiv für eine Mehrfachversicherung sein.  

Was passiert in diesem Fall mit dem Versicherungsschutz? Das OLG Oldenburg musste nun in einem solchen Fall entscheiden (Az: 5 U 18/17).  

Was war passiert?   

Nach einem Brandschaden forderte ein Mann 40.000 Euro von seiner Hausratversicherung. Die Versicherung verweigerte aber die Leistung, da der Mann über zwei Versicherungen für dieselbe Gefahr verfüge. Die Versicherung warf dem Mann vor, die zweite Versicherung in betrügerischer Absicht abgeschlossen zu haben – er hatte beim Abschluss 2012 wahrheitswidrig angegeben, über keine Hausratsversicherung zu verfügen. Der Mann verwies auf seine zum damaligen Zeitpunkt mangelhaften Deutschkenntnisse.  

Das Urteil  

Das Gericht kam zu der Meinung, dass der Mann betrügerisch gehandelt habe. Schon 2012 habe er bei beiden Hausratsversicherungen einen Wasserschaden gemeldet und jeweils 800 Euro kassiert. Kurz nach dem Wasserschaden habe der Mann für die ältere Hausratsversicherung eine höhere Versicherungssumme vereinbart.  

Noch einmal zwei Monate später kam es schließlich zu dem Brandschaden, den er beiden Versicherungen meldete. In beiden Schadensmeldungen gab er an, nicht anderweitig versichert zu sein. Aufgrund dieser Tatsachen kam das Gericht zu dem Schluss, dass der Mann von Anfang an beabsichtigt habe, im Schadensfall doppelt abzurechnen. Der 2012 abgeschlossene Versicherungsvertrag sei aus diesem Grunde nichtig.  

Das OLG Oldenburg stellte klar, dass Versicherte beim Eintritt eines Versicherungsfalles immer nur seinen tatsächlichen Schaden ersetzt verlangen kann. Auch bei zwei vorliegenden Verträge könne nur ein Betrag verlangt werden, der dem tatsächlichen Schaden entspricht. Sind die Verträge bewusst in der Absicht abgeschlossen worden, doppelt abzurechnen, gelten sie gemäß § 78 Abs. 3 VVG als nichtig, der Versicherungsnehmer geht demzufolge leer aus.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare