Amazon: (K)eine Bedrohung für die Branche?

Top News Versicherungen Digital von MarKo Petersohn und Daniel Feyler

Warum die eigentliche Gefahr für Versicherer nicht von Start-ups, sondern von Internetkonzernen wie Amazon ausgeht



Bei aller Aufmerksamkeit für FinTechs und InsurTechs in den vergangenen Jahren geht Versicherern aus meiner Sicht der Blick auf die wahre Bedrohung verloren. Denn die könnte von branchenfremden Onlineriesen ausgehen.

Amazon beispielsweise ist als Buchhändler bekannt geworden und kam als größtes Onlinekaufhaus zu einer dominierenden Marktposition. Amazon ist jedoch viel mehr. Denn der Konzern ist schon lange keine reine Shopping-Plattform mehr.


Der Onlineriese ist äußerst aktiv im Entwickeln neuer Geschäftsmodelle. Denken wir nur an AWS (Amazon Web Services) als weltweit führenden Cloud-Anbieter. Oder an Alexa. Im Zentrum dieser Sprachsteuerung steht eine hochentwickelte künstliche Intelligenz. Und eine künstliche Intelligenz wiederum ist ein wichtiger Schlüssel, wenn man ausschließlich online Versicherungen verkaufen möchte. Zudem ist Amazon auch engagiert im Entwickeln eigener Produkte. Dies zeigen beispielsweise Eigenproduktionen des Dienstes Amazon Prime oder auch die Aktivitäten im Bereich Smartphone und Echo.

Was Amazon gefährlich macht

Warum ist der Konzern aber so gefährlich? InsurTechs haben regelmäßig den Nachteil, dass sie unbekannt sind und viel Geld in die eigene Bekanntheit und Neukundengewinnung investieren müssen. Amazon hingegen kennt in Deutschland jeder. Amazon genießt zudem bereits großes Vertrauen. Und Amazon besitzt unzählige Kundendaten und unterhält bereits eine reale und langjährige Kundenbeziehung zu Millionen von Deutschen.
Wäre es nicht naheliegend, wenn der Onlineriese dem Käufer eines Smartphones zusätzlich auch eine Handyversicherung anbietet? Oder Käufer eines Buches über Schwangerschaft und Geburt in gewohnter Manier darauf hinweist, dass andere Käufer auch ihren Versicherungsschutz rund um die Geburt angepasst haben?
Denkbar wäre auch, dass das Unternehmen Versicherungen gar nicht als solche verkauft. Im Rahmen von Amazon Prime könnte beispielsweise eine Hausratversicherung künftig schon enthalten sein. Was der Kunde sieht, ist dass im Falle bestimmter Schäden seine bei Amazon erworbenen Produkte von diesem auch ersetzt werden. Je stärker der Konzern im Bereich Smart Home aktiv wird, desto logischer erscheint dieser Schritt.

Geld hat Amazon

Ich gehe nicht davon aus, dass Amazon in naher Zukunft Kranken- und Lebensversicherungen verkaufen wird. Es gibt „einfachere“ Sparten. Vor allem aber dürfte man darauf achten, dass Versicherungen zum bestehenden Produkt-Portfolio passen.
Meine Kritiker werden sagen, Amazon müsse dafür doch nicht extra Versicherer werden, sondern könne wie Media Markt & Co. doch an dieser Stelle einfach Versicherungen vermitteln. So geschieht es schließlich aktuell bereits im Rahmen von Amazon Protect. Möglich ist das. Aber einige Versicherungsprodukte sind eben auch äußerst lukrativ, weshalb der Onlineplayer hier auf jeden Fall ein Auge darauf werfen dürfte. Die aktuelle Welle der InsurTechs zeigt, dass sich mit Versicherungsknowhow und Geld innerhalb einiger Monate jederzeit ein Versicherer gründen lässt. Geld hat Amazon auf jeden Fall.
Und Versicherungsknowhow? Von gut informierten Personen war in den vergangenen Tagen zu hören, dass Amazon derzeit aktiv und handverlesen auf Experten der deutschen Versicherungsszene zugeht, um diese für die Formierung eines neuen Teams am Standort London zu rekrutieren.

Über Daniel Feyler
Daniel Feyler begleitet seit fast 3 Jahren eine Vielzahl von Digitalisierungsprojekten bei Deutschlands größten Versicherern und Banken aber auch bei zahlreichen FinTechs. Neben der Digitalen Transformation beschäftigt er sich dabei besonders mit den Themen Customer Experience und Kundenbewertungen. Daneben tritt Daniel Feyler häufig als Redner auf Konferenzen auf. Mehr finden Sie auf www.danielfeyler.de

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