Altersvorsorge: Warum Makler am 34f nicht vorbeikommen

Berater Top News von Stefan Terliesner

Deutschland ist ein Land der Versicherungen. Sogar beim Vermögensaufbau dominieren Policen. Doch das ändert sich allmählich, auch weil der Gesetzgeber das so will und Rendite-Chancen genutzt werden müssen.

Makler benötigen immer stärker Aktienexpertise.

Makler benötigen immer stärker Aktienexpertise. Grafik: Robert Kulon

Ein Versicherungsmakler vermittelt Versicherungen. Logisch. Aber erwartet seine Kundschaft nicht mehr von ihm? Früher genügte zur Schließung einer möglichen Rentenlücke der Abschluss einer guten Lebensversicherung. Heute nicht mehr. Die Zinsen am Kapitalmarkt sind im Keller und dürften auch in den nächsten Jahren nicht nachhaltig oberhalb der Inflationsrate liegen. Damit fallen sichere Anleihen für den Vermögensaufbau aus. Geld für die Finanzierung des Ruhestands wird künftig viel stärker als bisher mit Aktien verdient. Darauf müssen sich Makler einstellen.  

Die wachsende Bedeutung von Aktien für die Kapitalbildung hat auch der Gesetzgeber erkannt. Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz schafft er einen neuen Durchführungsweg der betrieblichen Altersversorgung mit einer starken Aktienkomponente. Und das Riester-Sparen nicht nur auf Basis von Versicherungsverträgen funktioniert, sondern auch mit Aktienfonds, sollte auch Maklern bekannt sein. Doch hier sind Vermittler mit Erlaubnis nach § 34 d Gewerbeordnung (GewO) nur Zuschauer. Die Finanzberater in den Banken feiern derweil beachtliche Erfolge: Als einzige Riester-Variante steigt die Anzahl der Fonds seit ihrer Einführung im Jahr 2001 bis heute kontinuierlich an.  

Für Dividendentitel spricht nicht nur ihre langfristig hohe Performance, vor allem sind es Sachwerte. Aktien verbriefen Anteile an realen Unternehmen. Und ein Unternehmen ist letztlich nichts anderes als die organisierte Zusammenarbeit von Menschen mit Ideen, Leidenschaft und Arbeitskraft. Dass alle Aktiengesellschaften dieser Welt gleichzeitig ihre Tätigkeit einstellen, ist sehr unwahrscheinlich. Dann hätten wir wirklich eine ernste Krise. Es gibt immer Gewinner und Verlieren. So ist das in der Natur, wenn sich die Umweltbedingungen ändern und so ist das an der Börse. Dieses „Naturgesetz“ spricht für eine breite Streuung des Anlagekapitals auf mehrere Unternehmen und Regionen – also für Aktienfonds.

Paragraf 34d: Ein enges Korsett

Aber dürfen Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d GewO Aktienfonds vermitteln? „Nein,“ bestätigt Norman Wirth, Fachanwalt für Versicherungsrecht und Gründer der Berliner Kanzlei Wirth-Rechtsanwa?lte. Wie bei den Riester-Fonds bleiben 34d-Vermittler draußen. Wirth nennt den einzigen Berührungspunkt mit Aktien: „Es sei denn, es handelt sich um ein Versicherungsanlageprodukt, so der neue Name gemäß IDD-Umsetzungsgesetz unter anderem für fondsgebundene Versicherungen.“

Das Gesetz gilt ab dem 23. Februar 2018. Es setzt die EU-Versicherungsvermittlerrichtlinie in nationales Recht um. Auch Jürgen Evers, Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Blanke Meier Evers, stellt fest, „dass der Gesetzgeber den Beratungsprozess für Versicherungsanlageprodukte demjenigen der Finanzanlagen angenähert hat.“ Das bedeute: „Auch zu Versicherungsanlagen muss der Makler den Kunden informieren und die Eignung einer Versicherungsanlage beurteilen können. Dies ist erfahrungsgemäß ohne anlagebezogene Fachkenntnis nicht ohne weiteres möglich.“ Kurz: Der Gesetzgeber verlangt von Maklern sogar eine gewisse Aktienexpertise!  

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