Überschwemmungsschäden verzehnfachen sich

Versicherungen von Martin Thaler

Schäden über 2,5 Milliarden Euro verursachten Unwetter im vergangenen Jahr. Insbesondere Überschwemmungen verwüsteten ganze Orte - auch fernab größerer Flüsse.

Fünf Milliarden Liter Regen innerhalb weniger Stunden verwandelten das bayrische Simbach in eine Trümmerwüste.

Fünf Milliarden Liter Regen innerhalb weniger Stunden verwandelten das bayrische Simbach in eine Trümmerwüste. Foto: dpa

Sie heißen Elvira, Friederike oder Gisela und haben eines gemeinsam: Sie alle sind verantwortlich in Schäden in Millionenhöhe. Starkregen-Ereignisse haben die Kosten für die deutschen Versicherer im vergangenen Jahr in die Höhe schießen lassen – insgesamt 940 Millionen Euro mussten die deutschen Versicherer im vergangenen Jahr aufgrund von Überschwemmungen zahlen. Das ist fast zehnmal so viel wie noch 2015, als „nur“ 100 Millionen Euro zu zahlen waren, wie dem aktuellen Naturgefahrenreport des Versicherungsverbands GDV zu entnehmen ist.  

Damit war 2016 das Jahr mit den dritthöchsten Überschwemmungsschäden aller Zeiten. Verheerender fielen lediglich die von den Elb-Hochwassern geprägten Jahr 2002 (1,8 Milliarden Euro) sowie 2013 (1,65 Milliarden) aus.  

Der neue GDV-Präsident Dr. Wolfgang Weiler verwies darauf, dass Starkregen-Ereignisse, wie sie 2016 beispielsweise im bayerischen Simbach (hier fielen innerhalb von sieben Stunden fünf Milliarden Liter Regen) zu beobachten waren, überall in Deutschland stattfinden könnten: „So etwas kann sich überall in Deutschland wiederholen.“  

Insgesamt verursachten Unwetter insgesamt einen Schaden von 2,515 Milliarden Euro, wovon insgesamt 1,9 Milliarden auf Schäden an Wohngebäuden, Hausrat, Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft entfielen. Weitere 615 Millionen Euros entfielen auf die Kfz-Versicherung, wobei es auch hier 8.000 Überschwemmungsschäden mit einer Versicherungssumme von 40 Millionen Euro zu verzeichnen war.

Schadensreiche Jahre nehmen zu

Weiler bekräftigte, dass sich der Versicherungsschutz in den vergangenen Jahren verbessert habe. So habe 2002 noch die Überzeugung bei den Versicherern bestanden, „dass gut zehn Prozent der Fläche nicht gegen Naturgefahren wie Hochwasser versicherbar seien“. Mittlerweile sei allerdings ein Versicherungsschutz für 99 von 100 Gebäuden möglich. Diese Zahl wird von Verbraucherschützern aber auch Makler immer wieder in Zweifel gezogen, die Diskussion über die Einführung einer Elementar-Pflichtversicherung gewinnt immer wieder an Fahrt. 

Feststellbar ist auf jeden Fall, dass sich weitaus mehr Menschen versichern könnten, als es bisher der Fall ist. Gerade einmal 40 Prozent aller Hausbesitzer in Deutschland verfügen über eine entsprechende Elementarversicherung. „Das ist noch zu wenig“, urteilte Weiler. „Zumal die Politik angekündigt hat, dass es künftig nur noch in Ausnahmefällen staatliche Nothilfen geben soll.“ Oftmals, so Weiler, herrsche bei vielen Menschen jedoch der Irrglaube vor, dass ihr Haus auch ohne eine entsprechende Elementarversicherung gegen alle Naturgefahren versichert sei. „Dabei ist in vielen alten Wohngebäudeversicherungen nur Sturm und Hagel abgesichert“, so Weiler. Auch glaubten viele Hausbesitzer, nicht wirklich in Gefahr zu sein.

Die 2,515 Milliarden Euro an Unwetterschäden im vergangenen Jahr liegen leicht über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Seit 2000 verursachten Unwetter im Schnitt 2,4 Milliarden Euro im Jahr. Der Wechsel zwischen schadensarmen und schadensreichen Jahren verkürze sich allerdings, zeigt sich der GDV überzeugt. So war in diesem Sommer allein eine Serie schwerer Unwetter für Schäden in Höhe von 600 Millionen Euro verantwortlich.

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