Übernehmen Roboter die Pflege?

Versicherungen Top News von Leonie Pfennig

Im Pflegebereich wird das Zusammentreffen von demografischem Wandel und Digitalisierung besonders deutlich. Pflege-Fachmaklerin Leonie Pfennig kennt die Situation von Pflegediensten aus der Innensicht. Im Gastbeitrag für procontra fragt sie sich, wann Roboter verstärkt als Pflegekräfte in Deutschland eingesetzt werden.

Roboter Automatisierung Digitalisierung Pflege

Schon heute übernehmen Roboter immer viele Aufgaben im Gesundheitsbereich. Warum nicht auch im Pflege-Sektor? Fotolia / science photo

Wir alle kennen diese Roboter, die sehr menschlich aussehen und derzeit schon so einiges können, wie z.B. mit uns sprechen oder ein Getränk holen. Als ich letztens einen Fernsehbericht über Pflegekräftemangel in Deutschland gesehen habe, kam mir der Gedanke, ob Roboter schon bald in der Pflege eingesetzt würden!?

Der akute Fachkräftemangel beim examinierten Pflegepersonal ist nichts Neues. Dieses Problem bestand bereits im Jahr 2000 und davor, als ich noch meinen eigenen Pflegedienst hatte. Ambulante Pflegedienste und Pflegeheime haben eine Mindestanzahl an examiniertem Pflegepersonal vorzuhalten, das schreiben die Kranken- und Pflegekassenverbände in ihren Verträgen vor. Und dieses Personal muss sozialversicherungspflichtig angestellt sein.

Aber woher nehmen?

Der Beruf ist inzwischen ziemlich unattraktiv, viele brechen sogar mitten in der Ausbildung ab. Kein Wunder angesichts der Leistungen, die erbracht werden müssen! Zumal Pflegeleistende nicht angemessen bezahlt werden - von den vielen unbezahlten Überstunden ganz abgesehen! Davon kann ich ein Liedchen singen. Nicht nur, dass ich als Inhaberin zahlreiche Stunden bei den Patienten vor Ort war, die ich niemanden in Rechnung stellen konnte, ich habe auch dem Pflegepersonal ihre Überstunden bezahlt. Man lässt den Patienten nicht allein, wenn es ihm nicht gut geht und wechselt unter Umständen bei einem Einsatz die Windel eben dreimal, wenn es sein muss. Dann wird im Schichtsystem gearbeitet, 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag, es gibt praktisch keine Wochenenden und Feiertage. Pflegedienstleistungen und Inhaber haben einen 24-Stunden-Notdienst. Ganz zu schweigen von der körperlichen und psychischen Belastung. Hat schon mal jemand eine Krankenschwester oder einen Altenpfleger gesehen, der Mitte/Ende 50 ist und noch in seinem Job (körperlich) arbeitet? Das gibt es wohl eher selten. Welche Krankenschwester kann sich eigentlich eine Berufsunfähigkeitsversicherung leisten, wenn es überhaupt mit den Gesundheitsfragen noch klappt?

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