Brücken über die Versorgungslücke

Altersvorsorge von Juliane Moghimi

Angesichts der aktuellen Rentenlage scheint mittlerweile der Begriff „Versorgungskluft“ angebracht. Aber mit dem offiziellen Rentenbescheid in der Hand wiegt sich so mancher Versicherte in falscher Sicherheit.

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Die Rente ab 70 wird bereits diskutiert, es gibt immer weniger Renten-Beitragszahler in der Zukunft, und die Lebenserwartung der Menschen steigt kontinuierlich an. Trotzdem haben laut einer aktuellen YouGov-Umfrage vom September 2017 lediglich 35 Prozent der Befragten eine private Altersvorsorge abgeschlossen. Weitere 38 Prozent gaben an „zu sparen“, 24 Prozent legten Geld in Immobilien und weitere 13 Prozent in Aktien an. Dieselbe Umfrage ergab: Bislang haben sich 51 Prozent der Befragten aktiv mit dem Thema private Altersvorsorge auseinandergesetzt. Immerhin 29 Prozent gaben an, dies bisher nicht getan zu haben und auch in nächster Zeit nicht vorzuhaben.

Teil des Problems mag sein, dass die bevorstehenden Abzüge bei der gesetzlichen Rente aus dem offiziellen Rentenbescheid nicht ersichtlich sind. So mancher Versicherte wiegt sich angesichts der vielleicht ganz ansehnlichen Zahl in diesem Papier in falscher Sicherheit. Deswegen ist es umso wichtiger, dass Vermittler ihren Kunden vorrechnen, wie viel unterm Strich tatsächlich übrigbleibt. Bewährt hat sich hierfür die A.B.I.-Formel, die hier an einem Beispiel erklärt wird:

 

Der Rentenbescheid

Der Rentenbescheid gibt an, wie viel gesetzliche Altersrente der Versicherte erwarten kann. Nehmen wir einmal an, dieser Wert liegt bei glatten 1800 Euro. Foto: fotolia.com/Stockfotos-MG

 

A wie Abschläge

Für jeden Monat, den der Versicherte früher in Rente gehen will, werden 0,3% abgezogen. Will unser Musterkunde mit 65 statt mit 67 in Rente gehen, so werden von seiner Bruttorente 7,2% abgezogen. Damit liegt diese nur noch bei 1670,40 Euro. Foto: fotolia.com/Picture-Factory

 

B wie Beiträge und Besteuerung

Auf die Bruttorente fallen die Beiträge für die Krankenversicherung (derzeit 7,3%) und für die Pflegeversicherung (derzeit 2,55% für Menschen mit Kindern, 2,8% für Kinderlose) sowie für die Einkommensteuer (durchschnittlich 15%) an. Für unseren kinderlosen Kunden sind das 25,1%, die abgehen – bleiben 1251,13 Euro. Foto: fotolia.com/hd-design

 

I wie Inflation

Ein Faktor, den viele Versicherte ebenfalls nicht bedenken, der jedoch sogar im Kleingedruckten am Ende des Rentenbescheids steht: Die Kaufkraft des Geldes wird in den Jahrzehnten, die noch bis zum Rentenbeginn bleiben, deutlich sinken. Bei einer Inflationsrate von 1,5% pro Jahr ist es gut möglich, dass 100 Euro dann nur noch eine Kaufkraft von 64 Euro haben. Konkret bedeutet das: Der Musterkunde wird reell nur eine gesetzliche Rente von 800,72 Euro zur Verfügung haben. Foto: fotolia.com/aytuncoylum

 

Das A.B.I. Modell

Wie dieses einfache Rechenbeispiel verdeutlicht, ist die Versorgungslücke noch um einiges größer, als viele auf den ersten Blick vermuten. Die Erläuterung nach dem A.B.I.-Modell liefert Vermittlern überzeugende Argumente für die private Altersvorsorge. Foto: fotolia.com/eranicle