bAV-Reform: Kann der Mittelstand profitieren?

Versicherungen von Ulf Kesting

Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz erfolgt auch die Einführung des Sozialpartnermodells. Ob dies zu einem Erfolg oder Rohrkrepierer wird, sei noch offen, glaubt bAV-Profi Ulf Kesting und erklärt in seinem Kommentar, worauf es ankommt.

Ulf Kesting, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für betriebliche Altersversorgung (DGbAV).

Ulf Kesting, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für betriebliche Altersversorgung (DGbAV). Foto: DGbAV

Kern des BRSG ist laut Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles das Sozialpartnermodell. Allerdings belegen Studien, dass über 80 Prozent der Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern an keinen Tarifvertrag gebunden sind – und genau in diesen Betrieben wird die betriebliche Altersversorgung, insbesondere die Entgeltumwandlung, am wenigsten genutzt.

Ob das Sozialpartnermodell überhaupt eine Chance auf spürbare Verbreitung bei KMU haben wird, hängt stark davon ab, welche Rahmenbedingungen die Tarifpartner in ihren Modellen schaffen werden. Ein Unternehmer wird sich wegen eines Sozialpartnermodells wohl kaum dem Regime eines Tarifvertrages unterwerfen. Das Modell muss also leicht zugänglich gestaltet werden und für den Arbeitgeber einfach und klar kalkulierbar sein. Deswegen muss die Höhe des Sicherungsbeitrags nachvollziehbaren Regelungen unterliegen.

Ob die Zielrente eines Sozialpartnermodells bessere Leistungen als eine bisherige beitragsbezogene bAV mit Garantie bieten wird, ist nach wie vor offen, denn es gibt noch keine konkreten Angebote. Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden nicht nur die eventuell bessere Rentenhöhe, sondern auch die Streichung jeglicher Garantien und aller Kapitalzahlungsmöglichkeiten im Rahmen ihrer Entscheidungsfindung analysieren und bewerten.

Wer soll Kleinbetriebe beraten?

Möchte ein Arbeitgeber seiner Belegschaft das Modell anbieten, wird sich in der Beratungspraxis die Frage stellen, wer Kleinbetriebe und deren Mitarbeiter in einem Sozialpartnermodell beraten soll, denn qualifizierte Beratung ist ohne eine angemessene Vergütung nicht möglich. Nur mit attraktiven Rahmenbedingungen in allen Bereichen wird das Sozialpartnermodell kein Rohrkrepierer.

Unabhängig vom Sozialpartnermodell hat der Gesetzgeber durch das BRSG Möglichkeiten geschaffen, mit denen KMU ihre bestehende Vergütungsstruktur überdenken und reformieren können. Die neue Geringverdiener-Förderung und der gesetzlich vorgeschriebene Zuschuss des Arbeitgebers zur Entgeltumwandlung sind zu begrüßen. Um alle Beschäftigten an der Ersparnis des Arbeitgebers voll zu beteiligen, sollte der Zuschuss für niedrige Einkommen 20 Prozent betragen und bei steigenden Einkommen auf 11 Prozent sinken. Die Erhöhung der steuerlichen Förderung auf 8 Prozent der BBG war überfällig. Sie vereinfacht die Gestaltung von Versorgungssystemen, und Besserverdienende können höhere Beträge umwandeln. Leider wurde die sozialversicherungsrechtliche Förderung nicht  angepasst.

Wenn die Chancen und Möglichkeiten des BRSG unternehmensspezifisch richtig genutzt werden, kann daraus eine echte WIN-WIN-WIN-WIN-Situation für Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Altersvorsorge und Berater werden. Kombiniert man zeitgemäße bAV-Systeme mit Vergütungsbausteinen wie zum Beispiel Warengutscheinen, kann das Brutto-Netto-Verhältnis für die Mitarbeiter Hand in Hand mit ihrer Altersvorsorge sogar noch weiter verbessert werden.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare