Immobilienfinanzierung: Den richtigen Anschluss wählen

Sachwerte Top News von Stefan Terliesner

Tatsächlich ist die EZB von einer Leitzinserhöhung weit entfernt. Bei seiner Sitzung im Juni stellte der EZB-Rat klar, dass die Zinsen noch lange auf dem aktuellen Niveau liegen dürften. Das einzige Indiz für eine zarte Korrektur ihrer Geldpolitik war eine Anpassung der Wortwahl: Der übliche Zusatz „oder auf einem niedrigen Niveau“ entfiel. Die Notenbanker sind offenbar der Meinung, dass das Zinsniveau nicht noch tiefer gedrückt werden sollte.

Zugleich senkten sie ihre Inflationsprognose für 2017 von 1,7 auf 1,5 Prozent. Die Schätzung für 2018 nahm sie auf 1,3 Prozent zurück, nach 1,6 Prozent im März. Damit ist die Geldentwertungsrate weit vom EZB-Zielwert „knapp unter 2 Prozent“ entfernt. Und ohne eine deutlich höhere Inflation hat sie keinen Grund, ihren Leitzins zu erhöhen. Dieser liegt seit gut einem Jahr bei null. Andererseits sind viele Ökonomen der Meinung, die niedrige Geldentwertungsrate habe strukturelle Gründe (Überalterung der Bevölkerung, Überkapazitäten) und könne daher mit niedrigen Leitzinsen nur sehr schwer und unter Inkaufnahme großer Risiken auf das gewünschte Niveau gehoben werden. 

Aber neben dem Leitzins gibt es ja noch andere Instrumente zur Steuerung des Zinsniveaus; zum Beispiel den Ankauf von Anleihen. Seit März 2015 macht die EZB davon Gebrauch. Aktuell tut sie dies in einem Umfang von 60 Milliarden Euro pro Monat. Hier hat sich die EZB im April bereits in Richtung höheres Zinsniveau bewegt, denn zuvor betrug das Volumen 80 Milliarden Euro.

Die Anleihekäufe senken die Marktzinsen, weil die Emittenten leichter einen Abnehmer für ihre neuen Papiere finden und nicht so hohe Zinscoupons bieten müssen. Diese quantitative Lockerung soll mindestens bis Ende 2017 laufen. Ein abruptes Ende der Ankäufe ist aber nicht geplant, denn das könnte Turbulenzen an den Märkten auslösen. Daher wird die EZB ihre „Gelddruck“-Prozesse langsam herunterfahren.  

Ausstieg rückt dennoch näher

Am 27. Juni signalisierte EZB-Präsident Mario Draghi, dass die Zeit für einen vorsichtigen Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik näher rückt. Der konjunkturelle Aufschwung gewinne an Kraft. „Alle Zeichen deuten nun auf eine Festigung und Verbreiterung der Erholung in der Eurozone hin“, sagte Draghi. Prompt zogen an den Märkten für Zinspapiere die Renditen an. Auch Baugeld dürfte bald wieder etwas teurer werden.

Gleichzeitig stellte Draghi klar, dass er eine expansive Geldpolitik weiterhin für notwendig hält. Die EZB müsse umsichtig handeln. „Wenn die Konjunktur anzieht, werden wir graduell vorgehen müssen, wenn wir unsere geldpolitischen Parameter anpassen.“ Im Klartext heißt das: Wahrscheinlich ab 2018 wird die Notenbank das Volumen der Anleihekäufe gemäß einem Plan weiter langsam reduzieren.

Ein Beschluss darüber könnte im September oder Oktober fallen. Nach Angaben von Clemens Fuest, Chef des ifo-Instituts in München, vermuten viele Beobachter, dass die EZB dann ihre geldpolitischen Leitlinien ändern und bekanntgeben wird, wie sie aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik aussteigen wird. Damit tendenziell einher gingen steigende Zinsen an den Märkten.

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