HDI: BU-Tarife mit Wartezeit können Prozessrisiko senken

Versicherungen von Florian Burghardt

procontra: Wollen Sie das Angebot Ihrer BU-Produkte mit Wartezeit, aber ohne beziehungsweise mit wenig Gesundheitsfragen noch ausbauen? Also beispielsweise den Vertrieb solcher Wartezeit-Produkte forcieren oder noch mehr davon auf den Markt bringen?

Rosch: Das „Duale Modell“ ist etwas ganz Neues – nicht nur für HDI, sondern für die gesamte Lebensversicherungsbranche. HDI nimmt hier eine Vorreiterrolle ein. Aktuell sammeln wir Erfahrungen, die wir anschließend evaluieren und für unsere weitere Planung nutzen werden.

procontra: Wie schätzen Sie generell die Nachfrage nach BU-Versicherungen ohne Gesundheitsfragen, dafür mit Wartezeit ein? Können solche Produkte vielleicht dazu beitragen, das Risiko von Rechtsstreits im Leistungsfall zu senken und somit das Produkt BU aus Kundensicht „ungefährlicher“ und interessanter zu machen?

Rosch: Wir haben das „Duale Modell“ mit dem Ziel konzipiert, die Verbreitung der BU zu stärken. Die Gesundheitsprüfung ist stark vereinfacht. Das gilt für den „Top-BU-Schutz“ und noch viel mehr für den „Basis-BU-Schutz“. Dadurch haben wir die Hürden für einen Abschluss erheblich gesenkt. Dies kommt sowohl Kunden zugute, als auch Vermittlern. Denn generell gilt: Je weniger Gesundheitsfragen, desto weniger Beratungsrisiken. Wir rechnen mit einer lebhaften Nachfrage nach dem „Dualen Modell“.  Dabei gehen wir davon aus, dass Kunden in den allermeisten Fällen den „Top-BU-Schutz“ abschließen werden. Bestandsauswertungen haben ergeben, dass rund 85 Prozent aller BU-Antragsteller bei HDI im „Top-BU-Schutz“ versicherbar wären. Weitere 10 Prozent könnten wir nach unseren Erfahrungen alternativ mit dem „Basis-BU-Schutz“ versichern.  

Prozessrisiken haben bei der Entwicklung des „Dualen Modells“ keine Rolle gespielt, denn die BU-Prozessquote ist bei HDI ohnehin verschwindend gering. Von allen abgelehnten BU-Leistungsfällen hat HDI nach der aktuellen Erhebung von Morgen & Morgen aus Mai 2017 nur in rund einem Prozent der Fälle den Prozess verloren. Mit anderen Worten: HDI vermeidet unberechtigte Prozesse. Grundsätzlich können wir uns aber vorstellen, dass Wartezeitmodelle die Zahl der Prozesse über BU-Leistungsfälle senken. In solchen Prozessen geht es häufig um die vorvertragliche Anzeigepflicht, also um die Frage, ob der Kunde die Gesundheitsfragen richtig und vollständig beantwortet hat. Je weniger Gesundheitsfragen gestellt werden, desto kleiner ist wohl auch das Prozessrisiko.

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