Deutscher Journalistenpreis für fragwürdige Versicherungs-Tipps?

Panorama Top News von Florian Burghardt

Tina steht nicht nur als Sinnbild für die ökonomisch-clevere Risiko-Optimiererin, die eben einer der wenigen Pechvögel in diesem Szenario sein könnte. Sie steht auch für eine der vielen Leserinnen und Leser, die von Paepckes hochriskanter These des „Selbstversorgers“ folgen könnten. Eine Leserschaft von potenziellen Tinas, die durch eine Nominierung oder gar einen Sieg des Artikels beim DJP noch wachsen dürfte.   

Ich möchte es nicht grundsätzlich als Fehler verteufeln, wenn man beispielsweise auf eine Unfallversicherung verzichtet. Diese Entscheidung sollte aber aus eigenem Mut zum Risiko und im Wissen getroffen werden, was in einem möglichen „Pechvogel-Szenario“ wirklich auf einen zukommen kann. Sich aufgrund von wackeligen Berechnungen dem System überlegen zu fühlen ist fahrlässig und sollte auf keinen Fall die Entscheidungsgrundlage sein. In seinem Journalistenprofil steht über von Paepcke, er wolle bestehende Systeme verändern. Dann aber bitteschön mit realistischen Kalkulationen und einer vorausschauenderen Argumentation.

Versicherungen als ökonomischer Ego-Trip

Zuletzt möchte ich von Paepckes Sichtweise nicht unkommentiert lassen, die bestehenden Schadenversicherungen einer einzelnen Person als Investition zu betrachten, bei der man gewinnen oder verlieren kann.

Natürlich klammert der Autor hier alle Kunden aus, denen das Bewusstsein, sich mit ihrem Risikobeitrag finanzielle Absicherung erkauft zu haben, ein Gefühl von Sicherheit und damit einen Mehrwert gibt. Haben sie am Ende ihres Lebens ausgerechnet (sofern sie dafür Lebenszeit verschwenden möchten), dass sie bei ihren Versicherungen „draufgezahlt“ haben, so glaube ich, dass sie diesem Geld nicht nachweinen werden. Aber sollen diese Kunden deshalb die finanzielle Bereicherungsabsicht der anderen Verbraucher bedienen?

Nein, denn das wäre absolut ungerecht. Und ließe sich zudem gar nicht darstellen. Denn die Gewinne der Versicherer werden an die Aktionäre ausgeschüttet. Für eine alternative Gewinnverwendung sind schon deutlich heroischere Vorschläge abgeblitzt, als den Versicherten einen schönen Bonus auszuzahlen. Und eine weitere Amputation erzwingen, um auch ja mehr herauszubekommen als man "eingezahlt" hat, halte ich dann auch für die falsche Motivation.

Zählt nur der mögliche Gewinn?

Wenn Systemveränderer von Paepcke also als großer Gewinner aus dem Thema Absicherung von Lebensrisiken hervorgehen möchte, kommen entweder einiges an Arbeit oder ein hohes Risiko auf ihn zu.

Dennoch hält er daran fest und schreibt: „In unserem eigenen finanziellen Interesse sollten wir also alle ein bisschen mehr Tina werden.“ Oder mit meinen Worten: Aus Geldgier die Absicherung hoher Kostenrisiken laienhaft selbst in die Hand nehmen, anstatt die Dienstleistung von Profis zu nutzen. Klingt aus meiner Sicht wenig auszeichnungswürdig.

Seite 1: Preisverdächtig oder fragwürdig?
Seite 2: Lieber selbst Geld sparen als sich versichern
Seite 3: Hochriskant und fahrlässig

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