Deutscher Journalistenpreis für fragwürdige Versicherungs-Tipps?

Panorama Top News von Florian Burghardt

Denn wenn aus Prinzip beispielsweise nur besonders riskant lebende Personen eine Unfallversicherung abschließen würden, so käme es Jahr für Jahr zu mehreren tragischen Stürzen auf der heimischen Treppe oder in der Duschkabine, für die die querschnittgelähmten Opfer später keinen Cent Kapital sehen würden. Wer nur ein einziges Mal aus Spaß etwas Riskantes tut – etwa einen Tandem-Fallschirmsprung – und dabei Schaden nimmt, wäre nie versichert.

Ähnlich den kürzlichen Äußerungen eines Verbraucherschützers empfiehlt von Paepcke die Überlegung, anstatt manche Versicherungen abzuschließen lieber selbst Geld zu sparen. In den meisten Fällen sei dies die klügere Variante, so sein Fazit. Wer viele „sinnlose“ Versicherungen abschließt, würde sich falsch entscheiden und sei ein Verlierer.

Unfall, Zahnzusatz und Rechtsschutz sind sinnlos

Hier macht der Autor den Fehler und schnürt ein sehr großzügiges Bündel an „sinnlosen“ Versicherungen. Denn neben Reisegepäck-, Reiserücktritt-, Handy- und Laptopschutz packt er unter anderem auch Unfall-, Zahnzusatz- und Rechtsschutzversicherungen dazu.

Um seine These zu verdeutlichen, zeichnet von Paepcke das Bild des ängstlichen Angus und der Risiko-Optimiererin Tina. Während Angus für sein Paket von „sinnlosen“ Versicherungen jährlich 1.600 Euro an Prämien bezahlt, spart Tina denselben Betrag und erhält dafür durchschnittlich zwei Prozent Zinsen. Beide tun dies vom 18. Lebensjahr an bis zu ihrem Tod mit 85.

Tina ist die Gewinnerin

Dabei sieht von Paepcke in Tina die eindeutige Gewinnerin, die unter Risikogesichtspunkten die richtige Entscheidung getroffen hat. Denn statistisch gesehen würde Tina nur einen Teil ihres gesparten Geldes für Schäden ausgeben müssen. Ihr würden am Lebensende fast 60.000 Euro Erspartes bleiben, während Angus 27.000 Euro draufgezahlt hat.

Noch besser sehe es für Tina natürlich aus, wenn beide gar keine Schäden erleiden würden. Nur im seltenen Fall eines „Pechvogel-Lebens“ wäre aus von Paepckes Sicht Angus der Gewinner. Zu diesem Ergebnis kommt der Autor in einer Rechnung mit vielen Unbekannten und fiktiven Schäden in Höhe von 160.000 Euro. Tina müsste, auch aufgrund entgangener Zinsgewinne, über 50.000 Euro draufzahlen, wofür von Paepcke ihr die Aufnahme von Krediten empfiehlt.

In einem echten „Pechvogel-Leben“ würde aber allein schon eine bleibende schwere körperliche Beeinträchtigung nach einem Unfall mehr als 160.000 Euro verschlingen. Barrierefreier Umbau von Haus und Auto, teure Spezialtherapien und moderne Prothesen sind hier nur ein paar der Stichworte, wofür direkt Kapital benötigt wird. Hinzu kommen, abseits vom Unfall, mehrere zehntausend Euro für Zahnbehandlung, Kronen, Brücken und Implantate. Und schon kleine Gerichtsverfahren können schnell mehrere tausend Euro verschlingen. Zudem kann das Pechvogel-Szenario schon am ersten Tag eintreten, wenn noch gar keine eigenen Rücklagen gebildet sind.

Tina müsste voraussichtlich deutlich höhere Kredite aufnehmen (falls überhaupt genehmigt) oder auf die Behandlungen, Umbauten et cetera verzichten. Die Folgen kann sich jeder selbst ausmalen. Angus hingegen hat in jedem Szenario auf einen Geldbetrag verzichtet, den er verschmerzen kann. Damit hat er sich im Ausnahmefall gegen ein existenzielles wirtschaftliches Risiko versichert, das von Paepcke nicht auf seiner Liste hatte.

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