Berufsunfähigkeit: Der nächste große Aufreger

Berater Top News von Florian Burghardt, Martin Thaler

Abseits des mathematischen Fehlers hat Kemnitz kein Verständnis für Ulbrichts Warnung, dass man nicht wisse, ob der Leistungsfall eintritt. „Natürlich ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung in angemessener Höhe und Dauer nicht unbedingt preiswert. Aber es liegt im Wesen einer jeden Versicherung, dass viele von einem Risiko bedrohte Menschen einen Versicherungsbeitrag in einen gemeinsamen Topf zahlen, damit wenige von diesem Risiko Betroffene eine Versicherungsleistung daraus erhalten können. Insofern ist nicht nachvollziehbar, warum Dr. Dirk Ulbricht ausgerechnet vor dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung warnt.“

Als abenteuerlich bezeichnet Kemnitz Ulbrichts Tipp, auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu verzichten und besser ein ausreichendes finanzielles Polster für die Altersvorsorge zu schaffen. „Damit versucht er, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen“, so der Makler gegenüber procontra.

Denn die Altersvorsorge baue man sich schließlich durch seine Arbeitskraft auf. Wer ohne ausreichenden BU-Schutz seine Arbeitskraft – und damit Job und Einkommen – verliere, könne in der Konsequenz auch seine Altersvorsorge nicht sichern. Viele andere Vermittler sehen das genauso wie Kemnitz und kritisieren Ulbrichts Aussagen bereits in den sozialen Netzwerken.

Der falsche Weg

Außerdem fragt sich Kemnitz: „Wie will Dr. Ulbricht all jene trösten, die bereits vor Erreichen des Sparziels oder deutlich länger berufsunfähig werden? Dann reichen die Ersparnisse weder für ein lebenswertes Leben noch für den weiteren Aufbau der Altersvorsorge. Und gerade das soll ja eine angemessene Berufsunfähigkeitsversicherung vermeiden.“

In einem Punkt gibt der Makler dem iff-Direktor Recht, relativiert aber auch dessen Aussage: „Dass der BU-Schutz für körperlich und handwerklich Tätige preiswerter werden muss, bleibt dabei unbestritten. Aber von einer Berufsunfähigkeitsversicherung abzuraten, ist der falsche Weg.“

Dumm nur, wenn vorher etwas passiert

Auch Makler Guido Lehberg, der sich auf BU-Versicherungen spezialisiert hat, kritisiert die Ausführungen Ulbrichts und stellt seinerseits eine Rechnung auf: "Ein 25-jähriger Industriemechaniker zahlt für eine BU-Versicherung mit einer monatlichen Rente von 1.500 Euro knapp 900 Euro. Legt er diese stattdessen bei aktuellem Zins von null Prozent an, hat er sein Ziel mit 54 Jahren bereits ein wenig übererfüllt." Das heißt, er könne sich zwei Jahre lang besagte 2.000 Euro auszahlen. "Dumm nur, wenn ihm jetzt vorher etwas zustößt", merkt Lehberg an.

Auch die Aussage, es werde nicht jeder berufsunfähig, darum solle man lieber Altersvorsorge betreiebn, sorgt beim Gütersloher Makler für Kopfschütteln. Zwar sei Altersvorsorge durchaus wichtig - "aber es wird nun mal auch nicht jeder alt", weiß Lehberg. Er selbst kenne in seinem näheren Umfeld mindestens eine Handvoll Menschen, die keine 40 Jahre alt wurden.

Im Hinblick auf die Kosten einer BU-Versicherung rät Lehberg, möglichst früh eine BU-Versicherung abzuschließen. "Je eher ich eine solche Police für mich abschließe, desto günstiger ist der monatliche Beitrag und somit auch der Gesamtbeitrag über die ganze Laufzeit."

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