Widerruf von fondsgebundener LV: Wer haftet für Verluste?

Berater Recht & Haftung von Martin Thaler

Ein Anleger hatte mit seiner fondsgebundenen Lebensversicherung einen Totalverlust erlitten - daraufhin widerrief er sie. Die Versicherung wollte den entstandenen Schaden allerdings nicht begleichen - das OLG Stuttgart musste entscheiden.

Wer muss bei einem Widerruf für etwaige Fondsverluste aufkommen?

Wer muss bei einem Widerruf für etwaige Fondsverluste aufkommen? Foto: geralt - Pixabay.de

Wer eine Lebensversicherung nach dem sogenannten Policenmodell abgeschlossen hat, genießt gemäß der Rechtsprechung der Bundesgerichtshof ein ewiges Widerrufsrecht. Doch muss die Versicherung bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung auch einen bis zum Widerruf entstandenen Verlust ersetzen? Mit dieser Frage hatte sich jüngst das OLG Stuttgart zu befassen.  

Was war passiert?  

Ein Mann hatte 2005 bei einer liechtensteinischen Versicherung eine fondsgebundene Lebensversicherung abgeschlossen und hierfür einmalig 75.000 Euro eingezahlt. Für den Fonds wurde 2009 die Liquidation eingeleitet, diese wurde im Mai 2010 abgeschlossen. Im April 2014 teilte die Versicherer dem Mann mit, dass kein Policenguthaben mehr vorhanden sei.  

Der Mann widerrief daraufhin den Vertrag, schließlich sei er – was auch unstrittig ist – fehlerhaft über sein Widerspruchsrecht belehrt worden. Er forderte die gesamte eingezahlte Prämie zurück, abzüglich der Risikokosten von 5.000 Euro. Die Fondsverluste müsste die Versicherung zahlen, ansonsten wäre das Widerspruchsrecht aus Sicht des Mannes entwertet.  

Die Versicherung argumentierte hingegen, dass das Verlustrisiko dem Kläger zuzuweisen sei. Die Abschluss- und Verwaltungskosten in Höhe von insgesamt 5.128,82 Euro erstattete sie.  

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