Solvency II-Studie: „Irrige Schlussfolgerungen“ befürchtet

Versicherungen von Michael Fiedler

Nachvollziehbare Solvenzberichte? Eine Seltenheit im deutschen LV-Markt, wenn man einer Studie vom Zielke Research Institute folgt. Das wollen Versicherer so nicht hinnehmen und bemängeln ihrerseits die Studie. Welche Punkte Debeka, LV 1871 und Dialog ins Feld führen.

Solvency II-Studie: Kritik von Versicherungen

Eine Studie vom BdV sorgt für Unmut bei Versicherern. Die Ergebnisse könnten zu "irrigen Schlussfolgerungen" führen. (Symbolbild) Fotolia / Schmutzler-Schaub

Das Ziel von Solvency II ist es, die Solvabilitätsstandards für die Versicherungsbranche zu reformieren und einheitliche Solvabilitätsregeln innerhalb der EU zu schaffen.
Um Markttransparenz und –disziplin zu schaffen, sind Berichte gegenüber Aufsicht (RSR – Regular Supervisory Reporting) als auch Öffentlichkeit (SFCR – Solvency and Financial Condition Report) vorzulegen.

Letztere hat das Zielke Research Institut im Auftrag des BdV analysiert und kam zu dem Ergebnis, dass die Solvenzberichte der meisten Lebensversicherer in Deutschland intransparent seien (procontra berichtete).
Ganz unwidersprochen wollten das die Versicherer aber nicht hinnehmen. Die Debeka – in der Transparenzauswertung Letzter mit minus acht Punkten – sprach der Studie gegenüber dem Portal VWheute die Relevanz „mangels fachlicher Fundierung“ ab.
Auslöser dafür waren u.a. Kommentare von Zielke zu Nachrangdarlehen von Versicherern untereinander. Zielke und der BdV kritisierten, dass einerseits nicht darüber aufgeklärt und zweitens ein Kumulrisiko entstehen würde.

Die Koblenzer hielten dagegen: „Soweit die Debeka Krankenversicherung und die Debeka Allgemeine Versicherung Nachranganleihen des Volkswohl Bund gezeichnet haben, ist nicht ersichtlich, dass dies zu einem ‘Kumulrisiko’ der Lebensversicherung beitragen kann, zumal der Anteil an den gesamten Kapitalanlagen verschwindend gering ist.”

Ähnlich sieht es auch die LV 1871, bei denen Zielke die fehlende Information zum Nachrangkapital bemängelte. „Das Nachrangkapital spielt bei unseren hohen Eigenmitteln nur eine sehr untergeordnete Rolle“, teilte der Versicherer mit. Sensibel ist das Thema, denn für „Geschäftspartner und Kunden gewinnen Finanzstärke und Solvabilität eines Unternehmens zunehmend an Bedeutung“, so Wolfgang Reichel, Sprecher des Vorstands der LV 1871. Auch die Ratingagentur Fitch sieht den Versicherer stabil und erwartet „dass die LV 1871 weiterhin Wiederanlagerenditen erzielen wird, die über dem für die Garantien der Passiva benötigten Zins liegen“.

Dialog: Berechnungsmodell von Zielke kritisiert

In einer aktuellen Stellungnahme der Dialog (liegt procontra vor), wird das vom Zielke Research Institute verwendete Modell zur Bestimmung der Gewinnerwartung kritisiert. So heißt es in der Stellungnahme:
„[...] Das vom Zielke Research Institute verwendete Modell zur Bestimmung der Gewinnerwartung wird den Gegebenheiten bei der Dialog nicht gerecht und führt zu irrigen Schlussfolgerungen. Danach setzt sich die Gewinnerwartung des Unternehmens als Quotient aus EPIFP (Expected Profits Included in Future Premiums = erwartete Gewinne aus den zukünftigen Prämieneinnahmen) und den Eigenmitteln zusammen. Die Quote fällt bei der Dialog aus zwei Gründen hoch aus: Das Geschäft ist sehr profitabel, jedoch partizipiert der Versicherungsnehmer auch direkt in hohem Maße daran. Außerdem gibt es keinen Überschussfonds für etwaige nicht weitergegebene Gewinne, wodurch der Nenner verkleinert wird. Die verbraucherfreundliche Tatsache, dass die Versicherungsnehmer zeitnah an den Erträgen beteiligt werden, lässt die Gewinnerwartung zu hoch erscheinen.“
Die Versicherungsnehmer würden mit einer Beteiligungsquote von über 90% des Rohüberschusses an der Profitabilität des Unternehmens partizipieren. Die Beteiligung an den entstehenden Überschüssen erfolge zudem durch den Beitragssofortabzug (i.w. durch Direktgutschrift) sehr zeitnah.

Die Debatte zeigt: Am Ziel ist Solvency II noch nicht. Sollen Risiken eher beschreibend dargestellt werden? Welche Detailtiefe ist z.B. bei Nachrangkapital erforderlich? Und wie soll dabei die Vergleichbarkeit und Verständlichkeit gewahrt bleiben? Aufsicht, Branche und Öffentlichkeit werden sich hier besser aufeinander einspielen müssen. Denn die nächste Solvency II-Berichtssaison wird kommen.

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