Solvency II: Die Netto-Quoten der Lebensversicherer

Top News Versicherungen LV-Check von Florian Burghardt

Das Info-Portal PKV-Wiki hat die Netto-SCR-Quoten der 84 Lebensversicherer ausgerechnet. Fazit: Große Brutto-Netto-Unterschiede, Ärger über Nachrangdarlehen und 22 Unternehmen, die es ohne besondere Maßnahmen nicht geschafft hätten.

Die Brutto-SCR-Quoten der Versicherer müssen laut Vorgabe mindestens 100 Prozent betragen. Ohne die Hilfe bestimmter Maßnahmen hätten das 22 der 84 Lebensversicherer nicht geschafft.

Die Brutto-SCR-Quoten der Versicherer müssen laut Vorgabe mindestens 100 Prozent betragen. Ohne die Hilfe bestimmter Maßnahmen hätten das 22 der 84 Lebensversicherer nicht geschafft. Bild: geralt/Pixabay

Solvency II bleibt ein Dauerthema in der Versicherungs- und Finanzwirtschaft. Seit dem 22. Mai müssen die Versicherer alle drei Monate ihre Bedeckungsquoten öffentlich mitteilen. Fast automatisch werden diese dann miteinander verglichen, obwohl es in der Branche auch viel Kritik an der Aussagekraft der Zahlen gibt.

Anscheinend herrscht aber die Meinung, dass sich die Solvenzquoten immerhin etwas besser miteinander vergleichen lassen, wenn sie auf ihren Nettowert heruntergekürzt sind. Dafür werden bei der Netto-SCR-Quote (Solvency Capital Requirement) von den vorhandenen Basiseigenmitteln die versicherungstechnischen Rückstellungen (Übergangsmaßnahmen) abgezogen sowie die Volatilitätsanpassung auf null gesetzt.

Wie schon bei den privaten Krankenversicherern hat das Info-Portal PKV-Wiki auf diesem Wege nun die Netto-Solvenzquoten aller 84 nach Solvency II berichtspflichtigen Lebensversicherer ausgerechnet.

Übergangsmaßnahmen sinnvoll nutzen

Dabei weisen 22 Unternehmen eine Netto-Quote von weniger als 100 Prozent aus. Dieser Wert ist gemäß Solvency II vorgeschrieben, gilt aber für die Brutto-Quote. Um ihn zu erreichen, nutzen laut der PKV-Wiki-Analyse derzeit 60 Lebensversicherer von der BaFin genehmigte Übergangsmaßnahmen, 56 eine Volatilitätsanpassung und 47 sogar beides.

Einer dieser Lebensversicherer ist die Iduna, die der Analyse nach auf eine Netto-Quote von 92,7 Prozent kommt (Brutto: 381,8 Prozent). Angst, dass die vergleichsweise niedrige Netto-Solvenzquote dem Geschäftserfolg des Lebensversicherers schaden könnte, hat man bei der in Dortmund ansässigen Konzernmutter Signal Iduna aber nicht.

„Nein, im Gegenteil. Unsere Lebensversicherung ist kapitalstark und sehr solide aufgestellt. Das wurde uns aktuell noch einmal von Assekurata bestätigt. Die langfristigen Übergangsmaßnahmen sind ja gerade dafür gedacht, im Übergangszeitraum die Nettoquoten sukzessive zu erhöhen, ohne den Kunden zu schaden“, erklärte ein Signal Iduna Sprecher auf procontra-Nachfrage. Jedoch würde das Unternehmen aktuell sowohl in der Produktpolitik als auch in der Kapitalanlage die Ausrichtung auf die Nettoquote verstärken.

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