Pflege: CDU sägt am Elternunterhalt

Versicherungen Top News von Martin Thaler

Eltern haften für ihre Kinder - das gilt bislang, wenn es um die Bezahlung der Pflegekosten geht. Die CDU will an diesem Grundsatz rütteln, stößt aber prompt auf deutliche Kritik.

Die CDU will den Elternunterhalt neu regeln.

Die CDU will den Elternunterhalt neu regeln. Foto: K.C. - fotolia.com

Die CDU möchte Menschen, die ihre Eltern pflegen, finanziell entgegenkommen. So tritt die CDU in ihrem Wahlprogramm dafür, dass die Kinder erst ab einem gewissen Einkommen zur Finanzierung der Pflegekosten ihrer Eltern herangezogen werden. Hierzu heißt es: „Ein Rückgriff auf Kinder soll erst ab einem Einkommen von 100.000 Euro erfolgen.“  

Generell sind Kinder in der Pflicht, sich an den Pflegekosten der Eltern zu beteiligen, wenn die Zahlungen der gesetzlichen Pflegeversicherung sowie die Rente und das Vermögen des zu Pflegenden nicht ausreichen. Dann springt meist das Sozialamt ein, das sich das Geld später allerdings von den Kindern des Pflegebedürftigen wiederholt. Zahlen des PKV-Verbandes hatten jüngst illustriert, dass zwischen den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung und den tatsächlichen Pflegekosten eine große Differenz besteht.  

Elternunterhalt abhängig vom Einkommen

Ob die Kinder jedoch zahlen müssen, hängt auch heute schon vom Einkommen ab. Hierzu wird deren Nettoeinkommen gebildet, von dem die Kinder noch diverse Kosten abziehen können (die Details lesen Sie hier).

Zudem können die Kinder noch einen Selbstbehalt abziehen – dieser beträgt bei Singles 1.800 Euro, bei einem Ehepaar sind es 3.240 Euro. Darüber hinaus können 50 Prozent des über den Selbstbehalt hinausgehenden Vermögens einbehalten werden.  

Diese Grenze will die CDU nun also ausbauen, stößt damit allerdings auf Kritik: „Die derzeitigen Regelungen sind nach unserer Einschätzung praktikabel und vernünftig, eine entsprechende Neuregelung würde dazu führen, dass nur noch sehr wenige Kinder für ihre Eltern einstehen müssen“, kritisierte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, gegenüber der „Rhein-Neckar-Zeitung“.

SPD will Pflege-"Vollkasko"

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe verteidigte indes das Vorhaben. Es gehe darum, „dass wir Kinder pflegebedürftiger Eltern vor finanzieller Überforderung schützen und damit dazu beitragen, sie noch besser zu entlasten“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. 

Aus der SPD sind hingegen andere Töne zu hören. Hier wurden Stimmen laut, die gesetzliche Pflegeversicherung zu einer „Vollkasko“-Versicherung auszubauen, die für sämtliche entstehende Pflegekosten aufkommt.  

Ein Weg, die Angehörigen vor Zahlungen zu bewahren, ist auch heute schon der Abschluss einer privaten Pflegeversicherung, die die Finanzierungslücke der gesetzlichen Pflegeversicherung überbrücken kann. Wie Zahlen des PKV-Verbands zeigen, ist dies ein Weg, den auch immer mehr Menschen gehen wollen. So legte die Zahl der staatlich geförderten Pflege-Bahr-Versicherungen zuletzt stark zu. 

7 Tipps zum Pflegetagegeld

Eine gute Form der privaten Vorsorge zur Schließung der "Pflege-Lücke" bietet die Pflegetagegeldversicherung. Worauf Vermittler dabei besonders achten müssen und welche Neuerungen das PSG II mit sich gebracht hat, hat Fachmaklerin Leonie Pfennig in einer Bilderstreite für procontra zusammengestellt.  

Anzeigefrist der Pflegebedürftigkeit
Die Mindestanforderung ist: möglichst lange rückwirkend. Es gibt diverse Herangehensweisen: z.B. 4 Wochen, 6 Monate, 3 Jahre oder ohne zeitliche Begrenzung. Der Pflegebedürftige hat während der Antragsstellung auf Pflegebedürftigkeit viel um die Ohren: es geht ihm nicht gut, der MDK kommt zur Einstufung, evtl. müssen einige Veränderungen in der Wohnung vorgenommen werden, es kommt vielleicht ein Pflegedienst ins Haus. Da denkt man nicht immer gleich daran, dass man mal vor Jahren eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen hat. Fotolia / stockpics
 
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