Doch kein „Schiffbruch“ für Schiffsfonds?

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Der Markt für deutsche Schiffsfonds gilt seit einigen Jahren als gescheitert. Kürzlich aber wurden drei neue Schiffsfonds lanciert. Eine Renaissance? Vielleicht, aber kein Thema mehr für Privatanleger.

Schiffbruch oder nicht? Wie geht es mit Schiffsfonds weiter?

Schiffbruch oder nicht? Wie geht es mit Schiffsfonds weiter? Foto: tpsdave - Pixabay.de

Deutsche Schiffsfonds haben wahrlich „Schiffbruch“ erlitten. Die Wirtschaftskrise von 2008 löste eine Welle von Pleiten oder Nahezu-Pleiten der Fonds aus. Anleger verloren mit den Schiffsfonds sehr viel Geld.

Gleichwohl ist der Markt nicht untergegangen. Seit Anfang 2015 wurden drei neue Schiffsfonds mit einem Zielvolumen von 70 Millionen Euro registriert. Zwei der Fonds kommen von einem Reeder namens MST und finanzieren den Erwerb zweier Massengutfrachter. Der dritte Fonds stammt vom Hamburger Emissionshaus PCE und hat ein Flusskreuzfahrtschiff erworben. Dass Schiffsfonds überhaupt noch aufgelegt werden, kommt überraschend. Nach dem Scheitern zahlreicher Schiffsfonds für Privatanleger war der Markt eigentlich am Ende. 

Der Anfang vom Ende

Die Misere der Fonds begann 2008, als die Charterraten, also die Gebühren für den Transport per Schiff, im Zuge der Wirtschaftskrise stark einbrachen. Wegen Überkapazitäten in der Branche haben sich die Raten bis heute nicht erholt. Für Privatanleger in Deutschland – meistens vermögende Kunden – war die Erfahrung mit dem Produkt eine Katastrophe.

Als Kommanditisten mussten sie ab 2008 viel Kapital nachschießen, um notleidende Schiffsfonds zu stützen. Trat der Insolvenzfall dennoch ein, wurde das Schiff verkauft und der Erlös ging zuerst an die Gläubigerbanken. Den Rest mussten die Anleger unter sich teilen, und oft sind sie leer ausgegangen.

Im Juli 2013 trat zudem eine wichtige Regelung für Geschlossene-Fonds-Anbieter – darunter auch Schiffsfonds – in Kraft. Demnach müssen die Anbieter eine Lizenz als Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) bei der BaFin beantragen, wenn sie neue Produkte auflegen wollen. Die Regulierung der Geschlossenen Fonds-Branche war ein echtes Novum. Für die Anbieter stellte sich die Frage, ob sich der Aufwand für die KVG, also Zusatzkosten und neue Auflagen, lohnte. 

Logistikbedarf dürfte wieder steigen

Emissionshäuser wie Lloyd Fonds haben bislang keine KVG beantragt für neue Schiffsfonds. Dazu erklärt Lloyd-Vorstandschef Torsten Teichert: „Die KVG ist kein Hemmschuh, dient sie doch der Transparenz und Sicherheit für die Kunden. Die geringe Nachfrage nach Schifffahrtsinvestments hat Lloyd Fonds aber bisher davon abgehalten, neue Produkte aufzulegen, nicht die KVG-Lizenz. Sollten sich die Märkte nachhaltig erholen, würden wir uns im Retailbereich zunächst einer externen KVG bedienen.“  Diese Erholung sei auch zu erwarten, weil der Logistikbedarf angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung zunehmen werde, ergänzt Teichert.

Andere Häuser wie MPC Capital und Dr. Peters haben aber eine KGV-Lizenz bekommen und machen weiterhin Schiffsinvestments. Es gibt aber deutliche Unterschiede zu der Zeit vor der Wirtschaftskrise 2008. Der erste Unterschied sind natürlich die Volumina. Seit Anfang 2015 wurden drei Schiffsfonds gemeldet mit einem bereits erwähnten Zielvolumen von 70 Millionen Euro (Eigenkapital plus Fremdkapital). Zum Vergleich: 2007, das beste Jahr überhaupt, wurde ein Marktvolumen von knapp 7,4 Milliarden Euro mit Dutzenden neuer Fonds erzielt. Davon entfallen rund  40 Prozent auf Eigenkapital, welches überwiegend von Privatanlegern eingesammelt wurde.  

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