Altersvorsorge: Ein Drittel der Frauen ohne Plan

Berater von Michael Fiedler

Altersvorsorge: Trotz Niedrigzinsen blicken Deutsche zuversichtlich in die Zukunft und fühlen sich gut abgesichert, so eine Union Investment-Studie. Bei Frauen hingegen sieht die Situation wesentlich dramatischer aus, wie eine ebenfalls aktuelle Untersuchung von Amundi zeigt.

<p> „Zuversicht trotz Aussicht auf Verzicht.“ Vielleicht lässt sich die Haltung der Deutschen zur privaten Altersvorsorge auf diese Formel bringen. Laut einer Umfrage von Union Investment befürchten 53 Prozent der Befragten, dass der Lebensstandard im Alt

Hatte sie den richtigen Weitblick in Sachen Altersvorsorge? Falls ja, zählt sie zu einer Minderheit in Deutschland. Bild: pixabay / ArtsyBee

„Zuversicht trotz Aussicht auf Verzicht.“ Vielleicht lässt sich die Haltung der Deutschen zur privaten Altersvorsorge auf diese Formel bringen. Laut einer Umfrage von Union Investment befürchten 53 Prozent der Befragten, dass der Lebensstandard im Alter nicht allein mit den Zahlungen der gesetzlichen Rente zu halten sein wird. Deshalb erwarten knapp 40 Prozent einen Teil ihrer Lebenshaltungskosten im Ruhestand aus den eigenen Ersparnissen bestreiten zu müssen. Drei von vier Befragten (77 %) sorgen nach eigenen Angaben privat vor, um die Lücke zwischen dem Erwerbs- und Renteneinkommen im Alter zu schließen. Annähernd 40 Prozent fühlen sich damit auch gut oder sehr gut abgesichert. Nur sieben Prozent sehen in der privaten Altersvorsorge größere Defizite. 43 Prozent geben an, dass sie auch bereit sind, zugunsten einer privaten Vorsorge heute weniger Geld auszugeben. Knapp die Hälfte der Anleger (46 %) würde sogar mehr in die private Altersvorsorge einzahlen, wenn sie dafür früher in Rente gehen könnten.
„Die Ergebnisse machen deutlich, dass die meisten Deutschen das Thema Altersvorsorge sehr wohl auf dem Schirm haben und nicht auf die lange Bank schieben“, so Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment.

Dieser Auffassung widerspricht aktuelle Befragung von Amundi, die unter 1.000 weiblichen Probanden durchgeführt wurde. Für Frauen im Alter zwischen 35 und 55 Jahren liegt das Thema private Altersvorsorge noch in weiter Ferne: Fast die Hälfte (44 %) beschäftigt sich gar nicht mit privater Altersvorsorge. Auch mit fortschreitendem Alter wächst das Interesse an dem Thema nicht – das Alter der Befragten spielt für die persönliche Relevanz keine signifikante Rolle.

Ein Drittel ohne Vorsorge

Obwohl der privaten Altersvorsorge politische, gesellschaftliche und mediale Aufmerksamkeit zuteilwird, hat knapp ein Drittel (32 %) der befragten Frauen keine private Altersvorsorge. Nur unwesentlich mehr Befragte (37 %) sparen zwar für ihre private Altersvorsorge, aber nicht regelmäßig. Auch diese Zahl spiegelt die insgesamt unzureichende Verbreitung des privaten Sparens für den Lebensabend unter Frauen zwischen 35 und 55 wider, so Amundi. Ein Grund dafür könnte fehlendes Finanzwissen sein. 37 Prozent der befragten Frauen halten ihr eigenes Finanzwissen für ungenügend, um die private Altersvorsorge zu planen. Allerdings wollen sich 24 Prozent kein zusätzliches Finanzwissen aneignen. Insoweit überrascht es vielleicht nicht, dass trotz anhaltender Niedrigzinsphase dem „Inflationsschutz“ so wenig Bedeutung zugemessen wird. Nur 5 Prozent nennen das als wichtigsten Faktor bei ihrer privaten Altersvorsorge. „Sicherheit“ rangiert mit deutlichem Vorsprung auf Platz eins (54 %), gefolgt von „Rendite“ (9 %), „Verständlichkeit des Produkts“ (6 %), „Flexibilität“ (6 %).

Trotz Niedrigzins wollen Frauen (92%) kein oder nur etwas Risiko bei der Geldanlage eingehen. Dass die aktuell niedrigen Zinsen Umdenken und aktives Handeln erfordern, sieht lediglich ein Drittel (33 %) der Befragten so. Sparbuch, Sparbrief oder Bausparvertrag werden zwar von 61 Prozent der Befragten als nicht mehr ausreichend für die private Altersvorsorge wahrgenommen. Doch fast 59 Prozent sind in eben solche festverzinslichen Anlageformen investiert.

Auch die Neuerungen, die das Betriebsrentenstärkungsgesetz mit sich bringt, scheinen kaum geeignet, die Situation zu verbessern. Denn jede Zweite (50%) kennt das BRSG überhaupt nicht und nur 14 Prozent der Befragten bewerten das neue BRSG als positiv.

Über die Studien
Die Online-Befragung fand zwischen dem 9. und 13. Juni 2017 statt. Konzipiert wurde die Untersuchung von Amundi Asset Management (vormals Pioneer Investments), mit der Umsetzung wurde das Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov beauftragt. Dabei wurden 1.000 repräsentativ ausgewählte Personen zu ihren Meinungen und Erwartungen rund um das Thema Altersversorgung sowie den von ihnen unternommenen Vorsorgemaßnahmen befragt.

  Seit Anfang 2001 ermittelt das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Union Investment quartalsweise das Anlegerverhalten. Befragt werden 500 Finanzentscheider in privaten Haushalten im Alter von 20 bis 59 Jahren, die mindestens eine Geldanlage besitzen. Für das zweite Quartal erhob Forsa die Daten vom 2. bis 10. Mai 2017. Bei Umfragewerten, die sich nicht zu 100 Prozent addieren, gibt die Differenz den Anteil der unschlüssigen Befragten an.

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